Frisch ans Werk: FC-Coach Stale Solbakken bricht am Donnerstag mit seinem Tross ins siebentägige Trainingslager in Portugal auf. Doch noch wirken einige Dinge aus der Hinrunde nach. Die hinter vorgehaltener Hand geäußerte Kritik hat den Coach getroffen.
Doch der Norweger kämpft mit offenem Visier. Und stellt sich den Fragen im EXPRESS-Interview.
Stale Solbakken, das Jahr 2011 ging mit einer Enttäuschung zu Ende. Das 0:3 in München hinterließ Spuren. Es wurde Kritik laut.
Solbakken: Und das ist in Ordnung. Aber es war ein spezielles Spiel, wir waren nach drei Spielen in sechs Tagen müde in Körper und Geist. Was nicht in Ordnung ist, ist die Kritik hinter vorgehaltener Hand.
Trotzdem können Sie dazu Stellung nehmen.
Gerne. Ich kämpfe immer mit offenem Visier, ehrlich und geradeaus.
Also gut. Vorwurf eins betrifft die Vorbereitung auf die Bundesliga-Spiele. Die Anreise am Spieltag in München etwa. Oder dass Sie vor dem 0:5 in Dortmund erst am Spieltag zur Mannschaft stießen.
Das ist schnell erklärt. Die Reise nach München war wegen der englischen Woche so geplant, mit den Physios abgesprochen und weit im Voraus kommuniziert. Wer ein Problem damit hatte, hätte sich melden können. Das ist nicht passiert.
Vor Dortmund war es so: 11 norwegische Trainer waren im Rahmen unseres Kooperationsabkommens angereist, hatten sich aber verspätet. Ich habe die Mannschaft informiert, dass ich später nachkomme, und habe Sportchef Finke gefragt, ob das okay ist. Er hat gesagt: kein Problem.
Warum das dann hinterher eins sein soll, verstehe ich nicht. In Kopenhagen habe ich oft freitagabends noch andere Gegner beobachtet und bin dann nachts ins Hotel gekommen. Das war nie ein Problem – und auch sicher nicht der Grund für die Niederlage in Dortmund.
Vorwurf zwei: Das System funktioniert nicht, der FC kassiert zu viele Gegentore. In der Bundesliga gebe es zuviele starke Stürmer für ein Konzept, das viele Flanken zulässt.
Das wir stabiler werden müssen, ist keine Frage. Aber das ist kein Konzeptproblem. Auf der rechten Seite funktioniert das wunderbar. Auf der gesamten linken Seite können wir die Balance noch verbessern. Und wir müssen herausfinden, woran das liegt.
Aber: Gerade weil in der Bundesliga so viele starke Stürmer sind, ist mein Konzept gut. Denn der Unterschied ist, dass die zentralen Verteidiger nicht rausrücken, sondern das Tor bewachen. Und da stehen ja auch die starken Stürmer. Dieses System hat in der Champions League mit schwächeren Spielern gegen noch stärkere Angreifer wunderbar funktioniert.
Vorwurf drei: Für Solbakken ist der FC nur das Sprungbrett zu einem größeren Verein.
Das ist Unsinn. Ich war lange in Kopenhagen, bevor ich jetzt den Schritt gewagt habe. Ich will hier etwas aufbauen, den Verein nach vorne bringen. Deshalb bin ich hergekommen. Meine Familie fühlt sich hier sehr wohl. Wir wollen erstmal nicht mehr weg!
Vorwurf vier: Der FC hat zuwenig Ballbesitz, entwickelt keine Kreativität, schlägt die wenigsten Flanken der Liga.
Durch den Ausfall von Milivoje Novakovic hatten wir vorne im Sturm im Grunde nur noch die Option Podolski. Denn bei Ballbesitz fehlte uns vorne die Durchschlagskraft. Das hat man gegen Mainz beispielhaft gesehen.
Das Gleiche gilt für die Flanken: Die habe ich verboten, weil wir überhaupt keinen Stürmer im Strafraum hatten. Was sollen wir dann Bälle reinschlagen. Die einzige Möglichkeit war Kurzpassspiel. Ich hoffe, dass wir mit Nova in der Rückrunde flexibler werden.
Aber dann schießt Poldi vielleicht nicht mehr so viele Tore...
Das kann sein. Aber er und Nova gemeinsam schießen dann hoffentlich mehr Tore als Poldi allein. Da gibt es für mich ein schönes Beispiel: Michael Jordan war lange Zeit der Topscorer bei den Chicago Bulls. Irgendwann aber änderte sein Coach Phil Jackson das System. Er sagte ihm: Du wirst weniger Körbe werfen. Aber als Team werden wir stärker sein.
Das war mein Gedanke auch hinter der Kapitänsentscheidung. Und das ist meine Hoffnung bei Novas Rückkehr. Dann wird Podolski vielleicht weniger treffen, aber mehr Tore vorbereiten. Und das ist genauso viel wert.
Apropos Podolski. Was macht ihn so wertvoll für den FC?
Wir hatten durch dieses Kapitänsthema viele ehrliche Gespräche. Lukas hatte in den ersten Wochen diese Atemweg-probleme. Aber seit Leverkusen hat er fantastisch gespielt. Spieler seiner Klasse kommen in jeder Mannschaft der Welt zurecht. Aber ich will ihn hierbehalten, um ihn eine Mannschaft aufbauen.
Meine Idee ist, dass wir mit ihm und Pedro, Rensing und Riether eine Achse haben, um die herum wir die Mannschaft aufbauen können. Mit internationalen Spielern wie Peszko, Brecko und Jemal zum Beispiel. Wir haben die Gelegenheit, hier etwas aufzubauen. Aber dafür müssen wir den Kader in eine Balance bringen.
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