Einen Anruf in Abwesenheit von Claus Horstmann - mehr bekam Franz Josef Wernze am Mittwoch nicht mit. In Portimao gab der FC-Boss stattdessen eine Erklärung zu seinem Zoff mit dem Verwaltungsrat und FC-Gönner ab.
Dass Stil und Form von mir nicht in Ordnung waren, gestehe ich ein“, sagte Horstmann über den Acht-Zeilen-Brief, mit dem er ein lange vereinbartes Millionen-Geschäft für nichtig erklärt und Wernze brüskiert hatte (EXPRESS berichtete), „aber die Art und Weise seiner Reaktion hat mich irritiert.“
Wernze hatte den Umgang mit seiner Person beklagt. Er ist ebenfalls irritiert – und weiter sauer. Dies hat seine Gründe. EXPRESS erklärt sie.
Als Aufsichtsrat des VfL Gummersbach griff Horstmann in einer Notlage im Herbst 2009 zum Hörer. Der Traditionsklub brauchte dringend Geld. Horstmann bat Wernze um Hilfe. Er bekam sie. Der ETL-Boss überwies in zwei Tagen 420.000 €, durch die der VfL die Lizenz sichern konnte.
„Ich habe mit Handball nichts am Hut. Das war ein persönlicher Gefallen für Herrn Horstmann“, sagt Wernze. Die zweite Hälfte des geliehenen Geldes erhielt er erst im Juli 2011, eineinhalb Jahre später als versprochen, zurück.
Doch nicht gehaltene Zusagen sind weniger das Problem. Eher stört Wernze das Gefühl, von Horstmann als persönliche Gefahr angesehen zu werden. „Dabei will ich als Verwaltungsrat Dinge nur kritisch hinterfragen“, sagt Wernze. Als Wirtschaftsexperte erinnert er daran, dass Horstmann sich seiner Verantwortung für die Anhäufung des Kölner Schuldenbergs bewusst sein müsse.
Aus diesem Grund meldete er sich bei der ersten Sitzung des neugewählten Verwaltungsrats zu Wort: „Ich wollte wissen, warum der erste Tagesordnungspunkt die Beförderung von Herrn Finke und Herrn Horstmann vorsah – wo doch unmittelbar zuvor erst der Vorstand zurückgetreten war.“ Über seine Kritik setzten Mitglieder des Gremiums Horstmann flugs in Kenntnis: „Wie kann das sein?!“, fragt der Steuerberater.
Ein weiterer Umstand machte ihn bei Horstmann offenbar ebenso wenig beliebt. „Ich habe bei Herrn Wolf beantragt, das Thema IMG-Deal auf die Tagesordnung der nächsten Verwaltungsratssitzung zu setzen“, sagt er, „ich möchte wissen, warum der FC freiwillig auf Einnahmen in der Zukunft verzichtet. Zumal mir Herr Horstmann noch vor einem halben Jahr erklärt hatte, man werde auf gar keinen Fall mit IMG verlängern und die Rechtevermarktung ab 2014 selbst in die Hand nehmen.“
Dass Wernze die Unterstützung von Superstar Lukas Podolski genießt und von den Ex-Bossen Wolfgang Overath und Jürgen Glowacz als möglicher Nachfolger gesehen wurde, tut im nachhaltig gestörten Verhältnis zwischen Horstmann und ihm offenbar sein Übriges. Ob es sich der FC leisten kann, so mit einem Gönner umzugehen?
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