Empfehlen | Drucken | Kontakt19.02.2012 - 18:48 Uhr

Fan-Diskussion im ICE: Ein feiner Zug von Solbakken

Von EDUARD BOPP, MARKUS KRÜCKEN und TOBIAS LEMPE
So etwas gibt nur in Köln: FC-Trainer Stale Solbakken diskutiert mit den kostümierten FC-Fans im ICE 22 über die Nürnberg-Pleite.
So etwas gibt nur in Köln: FC-Trainer Stale Solbakken diskutiert mit den kostümierten FC-Fans im ICE 22 über die Nürnberg-Pleite.
Foto: Eduard Bopp
Köln –  

Samstagabend, 21.08 Uhr. Im Bistro des ICE 22 auf der Strecke von Nürnberg nach Köln braut sich was zusammen. Eine Gruppe jecker FC-Fans hat es satt, immer wieder die gesehene Pleite durchzukauen.

Die kostümierten Anhänger wollen Erklärungen. Sie stehen auf, marschieren zur 1. Klasse, rufen nach Stale Solbakken. Der FC-Coach kommt sofort herbei.

Ein feiner Zug von Solbakken! Der Norweger stellte sich den enttäuschten Jecken und verteidigte in einer zehnminütigen Diskussion seine Versager. EXPRESS war dabei.

Gewohntes Bild: Die FC-Spieler drehen nach Essweins 1:0 ab. Die Fans beklagten „fehlendes Herzblut“.
Gewohntes Bild: Die FC-Spieler drehen nach Essweins 1:0 ab. Die Fans beklagten „fehlendes Herzblut“.
Foto: Eduard Bopp

„Man kann verlieren, aber nicht so. In der Mannschaft fehlt das Herzblut, da regiert eine Söldner-Mentalität“, monierten Schlumpf und Bodybuilder.

Stale nahm die Kritik der Jecken sichtlich ernst. „Meine Spieler haben Herzblut!“, stellte er sich vor Geromel und Co., und nahm alle Last der fünften Pleite im sechsten Spiel auf sich.

Das ging so weit, dass sich Solbakken sogar auf eine Diskussion über die Aufstellung einließ. „Lass doch mal den Roshi von Beginn an ran“, schlugen ihm die Fans vor. Der Trainer überlegte, dann sagte er: „Ich denke darüber nach.“

Köln zu Gast in Nürnberg – die Bilder
Bildergalerie ( 11 Bilder )

Als der Plausch schließlich endete, verabschiedeten sich die Jecken mit einem Lächeln vom Coach. „Klasse Typ“, sagten sie alle. Der Trainer zum Anfassen hatte ihnen die Feierlaune zumindest etwas zurückgegeben.

Prompt war der Spaß zurück und übers Bistro-Mikrofon riefen die Fans aus: „Achtung eine Durchsage: Milivoje Novakovic soll ins Bistro kommen...“

Und Solbakken? Die Sorgen von Schlumpf und Co. beschäftigten ihn auch am Tag danach. „Es war gut, mal mit den Fans zu sprechen. Die Fans wollten mehr Herzblut sehen von den Spielern, das ist oft so, wenn es nicht so gut läuft“, sagte er nach dem Auslaufen.

„Ich habe den Fans gesagt, dass man das auf der Tribüne so sieht, aber jeder Spieler will gewinnen. Nur wir haben momentan nicht die gewünschte Qualität. Wir müssen nun in den Spiegel schauen und sagen, dass wir im Abstiegskampf sind. Auch wenn wir am Samstag gewinnen.“

Machtkampf um Tese ist Käse

Kommentar von MARKUS KRÜCKEN

Stale Solbakken ist ein Trainer zum Anfassen. Er nimmt die Menschen mit und gewinnt die Sympathien der Fans, wo er auch hinkommt: ob im ICE-Bistro oder am Geißbockheim.

Doch fünf Pleiten aus sechs Spielen, eine zuletzt auffällige Häufung von Disziplinlosigkeiten und die Art und Weise, wie der FC in Nürnberg verlor, beweisen, dass er nicht alle seine Spieler erreicht.

Und das zerrüttete Verhältnis zu Sportdirektor Volker Finke ist Stimmungskiller Nummer 1 am Geißbockheim: es hat Solbakkens Autorität beschädigt und spaltet die Mannschaft.

Chong Tese saß in Nürnberg erneut nur auf der Bank. Sportdirektor Volker Finke hat ihn im Alleingang für die Rückrunde verpflichtet. Solbakken setzt ihn nicht ein. Auf dem Rücken des nordkoreanischen Stürmers wird ein Machtkampf ausgetragen, der keine Gewinner hervorbringen kann, sondern nur für die Profis als perfektes Alibi für weitere Pleiten dient.

Zwischen Solbakken und Finke geht nichts mehr. „Einer von beiden ist im Sommer garantiert weg“, twitterte Sky-Experte Jan-Aage Fjörtoft vor dem Nürnberg-Spiel. Fragt sich nur, wer!?

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