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Don Calli zum Rücktritt: Vom Horstmann zum Buhmann

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Abschied: Claus Horstmann hat dem 1. FC Köln den Rücken gekehrt.
Abschied: Claus Horstmann hat dem 1. FC Köln den Rücken gekehrt.
Foto: Herbert Bucco

Seit Donnerstag ist Claus Horstmann als Vorsitzender der Geschäftsführung des 1. FC Köln Geschichte. Und nach mehr als 13 Jahren verlässt er den 1. FC Köln so, wie er damals kam: Leise, zurückhaltend, aufrecht!

Im November 1999, an seinem ersten Arbeitstag bei den Geißböcken, flog Claus Horstmann zufällig gemeinsam mit Rudi Völler und mir von Hamburg nach Köln. Am Gepäckband stellte sich der uns damals völlig unbekannte Mann ruhig, sachlich, aber selbstbewusst als neuer FC-Geschäftsführer vor. Kurz und knapp schilderte er uns, für welche Aufgaben der damalige Präsident Albert Caspers ihn eingestellt habe.

Angenehm, verbindlich, ruhig und kompetent habe ich Claus Horstmann auch während seiner gesamten FC-Ära erlebt. Ob eitel Sonnenschein mit wieder einmal überzogenen Erwartungen herrschte, oder ob Blitz und Donner die nächste sportliche Krise begleiteten: Horstmann blieb meist cool und unaufgeregt. Ganz nach dem Motto „Nobody is perfect“ stand er auch zu seinen Fehlern.

Als Ex-Manager Michael Meier vor rund drei Jahren öffentlich wegen der angespannten Finanzlage und einiger Fehleinkäufe in die Schlagzeilen geriet, rief mich Horstmann vor meiner nächsten EXPRESS-Kolumne an und sagte: „Die Dinge kann man nicht alleine Michael Meier in die Schuhe schieben. Alle wichtigen Entscheidungen, insbesondere Investitionen und Transfers, wurden von den gewählten Vertretern des Verwaltungsrates, dem Vorstand und auch von mir getroffen. Es ist absolut unkorrekt, nur Michael Meier den Schwarzen Peter zuzuschieben.“

Ein Eingeständnis, klar und unumwunden, das mir Respekt abnötigte und von Charakter zeugt! Als wir uns am Donnerstag zu einem letzten Gespräch trafen, wies ich ihn darauf hin, dass die sportliche Berg- und Talfahrt mit einigen Abstiegen und Fehleinschätzungen bei Transfers in erster Linie den Schuldenberg verursacht habe.

Für die sportliche Misere könnte man ihn am wenigsten verantwortlich machen. Auch darauf ließ er sich nicht ein: „Es wäre ein Fehler, jetzt so ein Fass aufzumachen. Wir saßen alle gemeinsam in diesem Boot.“

Seine Qualitäten in den Bereichen Verwaltung, Marketing und Finanzen wurden sowohl im Verein als auch im Umfeld hoch eingeschätzt. In der DFL besaß sein Wort großes Gewicht. Die Frage stellt sich nicht nur mir: Warum kam er im vergangenen Jahr so negativ rüber und wurde dadurch zum Buhmann?

Mit dem Rücktritt des Präsidiums um Weltmeister und Vereins-Ikone Wolfgang Overath an der Spitze sowie den späteren Entlassungen von Sportdirektor Volker Finke und Cheftrainer Stale Solbakken verlor der 1. FC Köln jede Menge Fußball-Kompetenz.

Claus Horstmann geriet in einen Teufelskreis. Ohne erfahrenen Fußball-Fachmann an der Seite musste er plötzlich auf der offenen Bühne das Drama des 1. FC Köln erklären. Diese Rolle konnte er nicht ausfüllen.

Dennoch wurde er zum Buhmann. Sein verzweifelter Versuch, mitten im Abstiegskampf, mit Dietmar Beiersdorfer und Jörg Schmadkte einen neuen Sportdirektor zu finden, misslang. Er übernahm Verantwortung, hielt den Kopf hin und zog am Ende die Konsequenzen.

Zum Abschied bekam Claus Horstmann von den rheinischen Rivalen reichlich Lob. Wolfgang Holzhäuser von Bayer Leverkusen erklärt den Rückzug zum „großen Verlust für die gesamte Liga“, Stephan Schippers aus Mönchengladbach lobt ihn als „sehr zuverlässigen Partner, ob in DFL- Sitzungen oder in kritischen Situationen bei unseren Derbys“.

Der neue DFL-Geschäftsführer und DFB-Vorstand Andreas Rettig, der mit Horstmann in Köln vier Jahre Tür an Tür arbeitete, sagt: „Ich habe Claus in all den Jahren als berechenbaren und verlässlichen Partner kennengelernt. Unsere wirtschaftlichen Entscheidungen waren von Vernunft geprägt.“

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