Empfehlen | Drucken | Kontakt29.05.2010 - 20:08 Uhr

Von wegen Eis-Märchen!: Haie machen Druck auf die Stadt

Von UWE BÖDEKER und ARNO SCHMITZ
Foto: dpa
Köln –  

Eis-Märchen sind etwas für Träumer. Nur eine Woche nach der wunderschönen Heim-WM zeigt das deutsche Eishockey wieder sein wahres, trauriges Gesicht.
Allzu verständlich, dass Uwe Krupp mit seiner Entscheidung zögert, als Bundestrainer weiterzumachen. Vor allem in der DEL, deren Klubs nun mal die Basis einer starken Nationalmannschaft bilden müssten, regiert einen Tag vor Lizensierungsschluss das Chaos.

Kassel wurde Donnerstag seitens der Liga ausgeschlossen, doch das Landgericht Köln hob die Entscheidung Freitag wieder auf. Frankfurt stellte Freitag Antrag auf Insolvenz, wird aber Montag auch seine Lizenzunterlagen einreichen, da das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet ist. Auch Krefeld braucht noch dringend Geld. Und nicht zuletzt die Haie.

Geschäftsführer Thomas Eichin wird morgen die Lizenz beantragen. Doch noch sind rund eine Million Euro an Altlasten zu tilgen. KEC- und Arena-Bosse starten den letzten Hilferuf an die Stadt. Der Klub fühlt sich von Köln im Stich gelassen. „Im Vergleich zu anderen DEL-Standorten haben wir in der Unterstützung und Wertschätzung durch die Stadt deutliche Nachteile“, sagt Eichin.

Die Haie fordern eine Subventionierung der Trainingshalle für den Nachwuchs. Die Gesamtkosten für die Kölnarena 2 belaufen sich auf 700.000 € jährlich. Werden die Kosten nicht teilweise übernommen, muss der Verein die Nachwuchsabteilung wohl dichtmachen. Bisher zahlt die Stadt jährlich 50.000 € Zuschuss. Mehr geht nicht, sagt OB Jürgen Roters: „Wir können keinen Profiklub finanziell unterstützen, da droht Ärger mit dem Europäischen Gerichtshof.“

Doch da schauen die Haie mit großen Augen zum 1. FC Köln. Die öffentlich einsehbare Bilanz der Sportstätten GmbH aus dem Jahr 2008 zeigt, dass die Stadt ein Jahres-Defizit von knapp 10 Millionen € ausgleichen muss. Alleine verursacht durch das RheinEnergieStadion, die umliegenden Abelbauten und Parkplätze. Der FC zahlt eine geschätzte Miete von 5,8 Millionen €, in der Zweiten Liga sogar nur die Hälfte. So wurde es unter Ex-OB Fritz Schramma beschlossen, der mittlerweile Vize-Vorsitzender des FC-Verwaltungsrates ist.
Sportstätten-Sprecher Hubert Röser: „Es ist schwierig, ein Stadion wirtschaftlich positiv zu führen, aber eine Großstadt muss ein Stadion haben. Außerdem finden nicht nur FC-Spiele statt, sondern auch Länderspiele und Konzerte.“

Die Bezuschussung des Stadions als Aushängeschild ist also durchaus gerechtfertigt, und schließlich hat der FC ja auch im Gegenzug eine enorme Wirtschaftskraft, bringt Geld in die Stadtkasse.

Doch das fordern die Haie auch für sich ein. Zum FC strömen pro Saison etwa 870.000 Zuschauer, zum KEC gehen jährlich 400.000 Fans. Stefan Löcher, Geschäftsführer der LanxessArena macht Druck: „Man sieht, dass die Haie fast die Hälfte der Zuschauer bringen, entsprechende Zuschüsse von der Stadt gibt es aber nicht. Da muss jetzt endlich eine offene und ehrliche Diskussion stattfinden.“

Neidisch auf den FC ist KEC-Boss Eichin nach eigener Aussage nicht: „Der FC ist ein wichtiger Faktor für Köln.“ Aber er fordert eine klare Positionierung der Politiker: „Ich verlange eine klare Aussage der Stadt dazu, welchen Wert die Haie mit ihrer Nachwuchsarbeit für die Sportstadt Köln haben. Das ist entscheidend für die Fortführung des KEC.“

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