Empfehlen | Drucken | Kontakt09.11.2008 - 00:00 Uhr

Hai Robert Müller: „Der Tumor wird niemals ganz verschwinden“

Von UWE BÖDEKER
Robert Müller hat zuletzt einen Spielbericht über die Haie für den EXPRESS verfasst. Bald will er wieder im Tor stehen.
Robert Müller hat zuletzt einen Spielbericht über die Haie für den EXPRESS verfasst. Bald will er wieder im Tor stehen.
Foto: Bopp

Köln - Robert Müller (28) ist ein Kämpfer. Nach seiner zweiten Operation am Hirn-Tumor will er schon bald wieder im Tor der Kölner Haie stehen.

Ob er es schafft, weiß er selber nicht. Trotzdem hat er den Mut, anzugreifen. „Ich trainiere täglich, fühle mich gut, aber es ist ein langer Weg zurück.

Die Fitness ist noch nicht so, wie sie sein muss. Jetzt liegt es an mir, ob es mit dem Comeback klappt“, sagt er dem EXPRESS.

Müller, der Kämpfer. Nach langen Gesprächen mit seinem behandelnden Arzt Professor Wolfgang Wick war es sein Wunsch, dass alle erfahren sollen, gegen was er da kämpft.

Müller hat den Heidelberger Tumor-Spezialisten Wick von seiner ärztlichen Schweigepflicht entbunden. Müller im Magazin Spiegel: „Der Professor kann am besten erklären, was mit mir los ist. Ich vertraue ihm.“

Wick spricht nun erstmals über die Art des Hirntumors. Es ist die traurige Wahrheit über Müllers Krankheit. Der 28-Jährige hat ein unheilbares Glioblastom im Kopf. Weil diese Tumoren so rasend schnell wachsen, bleibt den meisten Patienten weniger als ein Jahr

„Robert Müller ist schon über die mittlere Lebenserwartung bei dieser Art von Tumor hinweg“, sagt Wick im Spiegel.

Im Herbst 2006 wurde die Erkrankung diagnostiziert. Müller klagte über Kopfschmerzen, Erbrechen und war oft lustlos oder plötzlich total aufbrausend. Nach einer Kernspin-Untersuchung war klar: Der Tumor sitzt im Vorderhirn, wo die soziale Intelligenz und die Emotionskontrolle gesteuert werden.

Bei der ersten Operation konnte der Chirurg nicht alles entfernen, ansonsten wären Teile des Hirns zerstört worden, was Müllers Persönlichkeit verändert hätte.

Wick: „Man muss sich den Tumor wie ein Pilzgeflecht vorstellen. Die Pilze, die wir auf den Kernspinbildern erkennen können, sind nur die Fruchtkörper.“ Wie es darunter aussieht, ist auf den Aufnahmen nicht sichtbar.

Müller nimmt die Situation, wie sie ist: „Ich habe keine Schmerzen, fühle mich gut, muss einfach mit dem Tumor leben. Er wird niemals ganz verschwinden. Ich kann nur positiv denken, alles andere würde an der Situation auch nichts ändern. Und ich will behandelt werden wie jeder andere Mensch auch, brauche kein Mitleid.“

Am 14. August musste Müller ein zweites Mal am Hirn operiert werden. Ein Geschwulst war in nur wenigen Tagen extrem gewachsen, drückte auf Blutgefäße, sodass akute Lebensgefahr herrschte.

Die Operation hat er gut überstanden. Die Kölner Haie bezahlten Müller, seiner Frau und den beiden Kindern danach eine Familien-Kur. Jetzt steht er im Training schon wieder mit der Mannschaft auf dem Eis.

Professor Wick hatte gehofft, dass sich die Tumor-Reste mit Strahlen- und Chemotherapie zurückbilden würden. Doch bei neuerlichen Untersuchungen musste er feststellen, dass die Zellen bereits gegen alle Therapieformen resistent sind.

Haie-Geschäftsführer Thomas Eichin: „Wir kennen die Situation von Robert schon lange, es ändert sich nichts an unserer Einstellung. Wenn Robert wieder fit ist, wird er spielen. Wann, entscheiden die Trainer.“

Müller wird alles dafür tun. Er bleibt ein Kämpfer. Vor wenigen Tagen hat er für den EXPRESS einen Spielbericht über seine Haie verfasst.

„Das hat Spaß gemacht. Die Mannschafts-Kollegen waren auch zufrieden. Aber öfter will ich das nicht machen, ich will wieder runter von der Tribüne aufs Eis.“

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