Bei der Bebauung des Helios-Geländes fällt immer wieder der Begriff „Gentrifizierung“. Der Soziologe Prof. Jürgen Friedrichs von der Kölner Uni erklärt, worum es dabei geht.
EXPRESS: Herr Prof. Friedrichs, erläutern Sie doch bitte mal das Wort „Gentrifizierung“?
Prof. Friedrichs: Gentrifizierung ist die Aufwertung eines Wohngebiets. Es muss innenstadtnah sein mit einer guten Gebäudesubstanz. In das Gebiet dringen Personen aufgrund niedriger Mieten ein. Es verändert sich die Infrastruktur, es gibt neue Geschäfte, das Gebiet wird attraktiv für viele andere. Diese erste Gruppe besteht oft aus Künstlern und Studenten. Sie gelten als risikofreudig, schätzen das Multikulturelle in dem Gebiet.
In Ehrenfeld wohnen nicht nur Künstler und Studenten.
Nein, aber das sind die „Pioniere“. Wenn das Gebiet ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten ist mit attraktiven Geschäften und Gaststätten, dann zieht eine zweite Gruppe nach, die „Gentrifier“. Das sind oft Familien mit Kindern und besserem Einkommen. Sie sind oft nicht sehr risikofreudig, das Gebiet ist ja bereits aufgewertet, wenn sie investieren. Sie verdrängen häufig die erste Gruppe der Pioniere. In Ehrenfeld kann so ein Konflikt auch entstehen.
In welcher Stufe befindet sich denn Ehrenfeld gerade?
Verglichen mit dem Prenzlauer Berg in Berlin befinden wir uns in Ehrenfeld eher am Anfang eines solchen Prozesses. Wir haben hier eine Gruppe von Pionieren, die eingedrungen ist, dabei dann Künstler, Studierende usw., die dort wohnen. Teile wie die Eichendorffstraße sind aber längst von der Gruppe der Gentrifier besiedelt.
Inwiefern kann man diesen Prozess verhindern?
Man kann so etwas nicht verhindern, man kann versuchen, eine Erhaltungssatzung zu erlassen, um die Mieterstrukturen zu bewahren, indem man die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen verhindert. Aber die Frage ist, ob man einen solchen Prozess in Gang setzt, indem man das Helios-Gelände bebaut, so wie es vorgesehen ist.
Sie sehen hier also einen Nachteil für Ehrenfeld?
Es ist fraglich, ob ein Einkaufszentrum das Gebiet aufwertet. Ich glaube nicht, dass sich dort ein hochwertiges Warenangebot wird halten lassen. Das wird nach und nach dieselben Probleme geben wie in den Kalker Köln Arcaden. So befürchte ich, dass die Investition fürs Veedel negativ sein wird. So viel besser als auf der Venloer Straße wird dort das Angebot wohl nicht sein, aber langfristig die Vielfalt verringern. Damit wäre nichts erreicht. Ich bin sehr skeptisch.
Wir sehen das Tor zu Ehrenfeld
Im Februar wurde Richtfest gefeiert, nun geht der Bau der Moschee in Ehrenfeld in die letzte Runde. Der EXPRESS hat sich umgesehen und zeigt aktuelle Fotos.
Die Suche nach einem Kompromiss
Nach Stuttgart 21 folgt Ehrenfeld 21. Doch am Leuchtturm wird sich wohl kaum ein Aktivist festketten. Durch die aktive Arbeit der Bürgerinitiative Helios gibt es ein Beteiligungsverfahren.
„Alle Bürger sollen sich beteiligen!“
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