8,36 Meter zeigte Montag Nachmittag die Pegeluhr an der Rheinpromenade in der Altstadt. Am Dienstag soll der Rhein in der Landeshauptstadt seinen Höchststand mit etwa 8,55 Meter erreichen. Ab 11,75 Metern würde die Altstadt voll Wasser laufen …
Doch Dr. Claus Hennig Rolfs, Technischer Leiter des Stadtentwässerungsbetriebs, rechnet vorerst mit einem Sinken des Pegels in den nächsten Tagen. Für EXPRESS erklärt Rolfs deshalb die Geheimnisse rund um das Thema Hochwasser.
Es gibt zwei Stufen des Verbots: Erreicht der Pegel eine Höhe von 7,10 Meter, dürfen die Schiffe nur noch langsam und im mittleren Drittel des Rheins fahren – in einer rund 150 Meter breiten Fahrrinne. Knackt der Rhein die 8,80 Meter-Marke, wird die Schifffahrt eingestellt.
Gestern wurde übrigens beinahe ein Passagierschiff-Anleger von den Fluten mitgerissen. Die Feuerwehr sicherte den Steiger mit Seilen.
Während das Hochwasser bei uns noch keine dramatischen Ausmaße angenommen hat, lag der Pegel in der Domstadt - nur 40 Kilometer entfernt – gestern schon bei 8,84 Meter. Bis auf neun Meter soll er noch steigen.
Rolfs: „Seit dem Hochwasser von 1926 haben wir uns gut gerüstet. Außerdem haben wir mehr Retentionsflächen, also Auen und etwa die Rheinwiesen, in die das Wasser hineinfließen kann. Gerade in Oberkassel sind die Häuser zudem weiter zurück gebaut.“
Der erste kritische Wert ist die 6-Meter-Marke in Urdenbach. Dann – so erklärt Dr. Claus Henning Rolfs – wird der Orthweg gesperrt, denn ab 6,50 Meter würde die Urdenbacher Kämpe geflutet. Ab acht Metern wird der Durchgang zur Altstadt zum Alten Hafen dicht gemacht.
Weitere Schutzmaßnahmen sind die Schließung des Tors an der Fährstraße in Hamm und der Aufbau einer mobilen Schutzwand, der sogenannten „Stromleitwand“, unter der Theodor-Heuss-Brücke zum Schutz des Jachthafens. Ab zehn Metern kommen an der Nikolausstraße in Himmelgeist Sandsäcke zum Einsatz.
Die Jugendstil-Pegeluhr in der Altstadt gibt zweierlei an: Der lange Zeiger zeigt die Dezimeter der Wassertiefe, der kurze Zeiger die volle Meterzahl. Heißt: Bei einem Rheinpegel von 8,36 Metern, wie er gestern Nachmittag vorlag, zeigt der kurze Zeiger auf die „8“, der lange Zeiger auf die „3“.
Der Düsseldorfer Rheinpegel bei Rheinkilometer 744,2 liegt auf 24,48 Metern über dem Meeresspiegel. Der Pegelnullpunkt ist „willkürlich festgelegt“ und deshalb in allen Städten unterschiedlich. Er liegt dort, wo die Messlatten beginnen. Der Pegelstand ist die Höhe des Wasserspiegels über dem Pegelnullpunkt. Damit misst der Pegelstand nicht die wahre Tiefe des Rheins. Der echte Wasserstand ist noch ein Stück höher.
Seit dem Hochwasser von 1926 hat die Stadt erheblich dazugelernt und in Sachen Hochwasserschutz aufgerüstet. Am Brückerbach in Wersten wurden von 2005 bis 2008 die Deiche für rund 15 Millionen Euro erneuert.
Und auch am Herbert-Eulenberg-Weg in Kaiserswerth wurden 600 Meter Deich erneuert. Und es geht weiter, wie Rolfs weiß: „In der zweiten Jahreshälfte 2011 werden linksrheinisch 2,5 Kilometer des Büdericher Deiches neu gebaut. 80 Prozent der rund 17 Millionen-Euro-Maßnahme wird voraussichtlich das Land zahlen.
Der Stadt liegen Hochwasser-Daten bis ins Jahr 1882 vor. Damals (am 29. November 1882) wurde die Marke von 1093 Zentimetern geknackt. Die konnte allerdings am 2. Februar 1926, beim Düsseldorfer Jahrhundert-Hochwasser, von der bisher höchsten Rekordmarke von 1110 Zentimeter - also satte 11,10 Meter – übertroffen werden. Dem kam nur noch das 10,32-Meter-Hochwasser vom 31. Januar 1995 nahe.
Das Gegenstück markiert der 28. September 2003 – im Jahr des Super-Sommers. Damals hatte der Rhein mit gerade mal 41 Zentimetern absolutes Niedrigwasser.
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