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Unterbacher See: Mohammad (27) wird als erster Flüchtling Bademeister

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In Rot, wie bei „Baywatch“: Mohammad im Boot auf dem Unterbacher See.

Foto:

Andreas Vieweg

Düsseldorf -

Wenn man Mohammad (27) vor fünf Jahren gesagt hätte, dass er mal Bademeister am Unterbacher See werden würde – er hätte einen für verrückt erklärt.

Vor fünf Jahren, da war Mohammad Ali Yadollahi Ardekani, so sein voller Name, noch Tischler und Drogeriebesitzer in der südiranischen Millionenstadt Schiras.  Ein Tischler und Drogeriebesitzer, der sich für freie Wahlen in der islamischen Republik engagiert.

Jetzt aber wird er als erster Flüchtling Bademeister: „Sport und Kommunikation - das ist für mich eine Traumkombination.“

Mit falschem Pass in die Türkei

Nach einer Demo im Iran ruft ihn sein Vater an: „Die Geheimpolizei hat deine Wohnung durchsucht, du musst hier weg!“ Dank falschem Pass kommt Mohammad in die Türkei und schließlich mit einer Schlepperorganisation per Pkw und Lkw nach Deutschland.

Ziel: Weg in den Westen

In Berlin angekommen, beantragt er Asyl, wird nach Chemnitz, dann nach Delitzsch bei Leipzig gebracht. „Das war keine gute Zeit“, erinnert er sich. „Vor dem Asylbewerberheim im Wald wurde eine Telefonzelle in die Luft gesprengt. Und wenn wir in den acht Kilometer entfernten Geschäften etwas einkaufen wollten, haben die Autofahrer auf der Landstraße absichtlich versucht, uns umzufahren.“

Mohammads Ziel: Bloß weg von den vielen Ausländerfeinden, weg in den Westen.

„Erst in Düsseldorf bin ich ein Teil von Deutschland geworden”

Als er im Herbst 2012 seine Aufenthaltserlaubnis bekommt, gelingt ihm das auch – er zieht nach Düsseldorf. Mohammad: „Ich bin so froh, dass ich die Zeit im Osten überlebt habe. Erst hier in Düsseldorf bin ich ein Teil von Deutschland geworden.“

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Flüchtling Mohammad mit Peter von Rappard (l.) vom Zweckverband  Unterbacher See und Ausbilder Frank Bauer.

Foto:

Andreas Vieweg

Dazu gehört, dass der frühere Tischler sich beruflich vollkommen neu orientiert. Die Wasserratte Mohammad („FKK kannten wir im Iran nicht!“) fängt in einem Duisburger Hallenbad („Hallenbäder hatten wir zu Hause nicht!“) als Rettungsschwimmer an. In kurzer Zeit kann er zwei Kinder vor dem Tod durch Ertrinken retten.

„Will was zurückgeben”

Als dann der Unterbacher See einen Ausbildungsplatz für einen künftigen „Fachangestellten für Bäderbetriebe“ sucht, ist Mohammad, der inzwischen hervorragend Deutsch spricht, genau der richtige Mann. Er setzt sich gegen 15 Mitbewerber durch.

Peter von Rappard, Vorsitzender des Zweckverbandes: „Seine Bewerbung war die beste.“ In einer dreijährigen Ausbildung wird  er jetzt lernen, die Badegäste zu beaufsichtigen, notfalls auch zu retten und die Einrichtungen am Unterbacher See zu pflegen.

Wenn er die Ausbildung beendet hat, will er auch seinen Meister machen. Mohammad: „Viele junge Menschen in Deutschland wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht. Ich bin dankbar, dass ich hier sein darf. Mit meiner Arbeit will ich auch was zurückgeben.“