Wo sonst das Rauschen der vorbeirasenden Autos tönt, herrscht jetzt gespenstische Stille. Nievenheim ist durch die Sperrung der A57 nach dem Massenunfall mit einem Toten und acht schwer Verletzten die einsamste Raststätte der Republik.
Der Wind pfeift unangenehm, peitscht dem einsamen Reporter den Regen ins Gesicht. Trostlos wirkt es auf der Raststätte Nievenheim. Außer den Wagen der Ingenieure von Straßen NRW, die am Mittwoch die vom Brand und Massenunfall schwer beschädigte Autobahnbrücke 500 Meter weiter in Augenschein nahmen, ist niemand da. Korrektur: Fast niemand.
In der Tankstelle muss eine Mitarbeiterin des Pächters die Stellung halten. „Es kommt zwar keiner vorbei, aber Arbeit habe ich genug. Jetzt kann ich Sachen erledigen, die im Stress sonst untergehen“, sagt die Angestellte.
50 Meter weiter im Rasthaus steht man vor verschlossenen Türen. Am Dienstag konnte McDonald’s noch den dutzenden Journalisten Burger und Pommes verkaufen. Am Mittwoch lohnte es sich nicht zu öffnen.
Ruhe auf der Raststätte, Lärm auf der nahe gelegenen Bundesstraße 9. Am Dienstag und auch am Mittwoch quälten sich viele Berufspendler über die Bundesstraße Richtung Düsseldorf. Es staute sich auf knapp 11 Kilometern Länge von der Europastraße in Dormagen bis zur A46 in Neuss.
Donato Milano wohnt nur zwei Meter neben der B9. „Ich bin am Morgen wegen des Lärms aus dem Bett gefallen. Es ist schon heftig, aber da müssen wir jetzt durch“, sagt der 73-Jährige. Die Firma Deka sitzt in St. Peter direkt an der B9.
Geschäftsführer Marc Connemann: „Unsere Außendienstler kommen nicht mehr durch. Die Folgen für unsere Firma kann ich noch gar nicht abschätzen.“
Willi Boes (63) kommt jeden Morgen aus Worringen in den „B9 Truck Stop“ zum Frühstück. „Ich brauche sonst 10 Minuten, heute waren es über 30. Kein schöner Anblick, diese Blechlawine“.
Freude herrscht dagegen bei Uwe-Jörg Nammert, Kassierer der Rheinfähre Zons. Statt 15 Autos warteten am Mittwoch 80 auf die Überfahrt – so kann man den Stau auch umgehen.
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