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In Oberbilk von Salafisten belästigt: WDR-Reporterin: Mein Viertel ist nicht mehr, was es mal war

Fernseh-Reporterin Sounia Siahi machte unangenehme Erfahrungen.

Fernseh-Reporterin Sounia Siahi machte unangenehme Erfahrungen.

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privat

Seit dem Umzug von Scharia-Polizist Sven Lau nach Düsseldorf ist Salafismus ein Thema. Muslimische Frauen machen auch im Alltag Erfahrungen damit. Eine Marokkanerin berichtet.

Sounia Siahis (37) Eltern kamen als Gastarbeiter nach Düsseldorf. Sie ist in zwei Welten aufgewachsen – der marokkanischen und der deutschen. Siahi ist Fernsehjournalistin beim WDR, westlich geprägt, westlich gekleidet.

Bei einem Einkaufsbummel in Oberbilk sorgte das jetzt für eine unangenehme Begegnung: „Ich war auf der Linienstraße unterwegs. Plötzlich wurde ich von drei jungen Salafisten angesprochen. »Worauf wartest du noch? Warum trägst du kein Kopftuch? Wie läufst du hier eigentlich rum?«“.

Innerhalb von Sekunden hatte das Trio klargemacht, was es wollte: die vermeintliche „Schwester“ zu sittenstrengerer islamischer Lebensweise anhalten.

„So etwas kenne ich eigentlich aus Deutschland nicht. Ich fühlte mich unwohl.“ Sounia Siahi ist selbstbewusst, ließ die Salafisten abblitzen. „Aber wir müssen diesen Anfängen wehren. Man muss sofort dagegen vorgehen.“

Ihr ist eine schleichende Islamisierung in der marokkanischen Gemeinde in Oberbilk aufgefallen. „Ich sehe Leute, die früher westlich gekleidet waren, heute in arabischen Umhängen und mit Bart. Der Sohn von Freunden meiner Familie ist Salafist geworden. Die letzten fünf Jahre hat sich viel verändert.“

Die Journalistin lebt ganz bewusst in einem anderen Düsseldorfer Stadtteil. „Ich bin aber oft zum Einkaufen dort. Das Bild ist schon ein anderes geworden.“

Die Düsseldorfer Marokkaner erscheinen ihr konservativer als in der alten Heimat. „Ich muss kritisch sagen: Viele schotten sich vom deutschen Leben ab, haben sich dem Land, in dem sie wohnen nicht geöffnet.“

Sie erwartet Reaktionen, auch von den muslimischen Vereinen. „Dort hat man viel zu lange weggeschaut. Alle wussten, dass der Salafismus immer mehr Anhänger findet, keiner hat etwas gesagt.“

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Und das sagen die Anwohner dazu

• Lakhdar H. (54): „Es ist falsch, jemanden auf offener Straße anzufeinden. Unsere Religion vermittelt Frieden und Akzeptanz gegenüber anderen Menschen.“

Das sieht auch Yeliz (29) so. Sie selber ist Muslima und trägt kein Kopftuch: „Jeder Mensch nimmt sich das aus der Religion, was für ihn wichtig ist. Radikale interpretieren leider ganz falsche Sachen für sich. Dabei steht im Koran nicht, dass man irgendwen bekehren muss. Religion sollte eigentlich Frieden bringen.“

• Abdelaaziz F. ist Vorsitzender des Kulturvereins „Masjid Assalam“, der in Reisholz gerade eine Moschee baut. „Wir haben nicht festgestellt, dass die Salafisten sichtbarer geworden sind. Wir halten ständig Ausschau, klären seit acht Jahren Jugendliche auf.“

• Ein deutscher Anwohner zum EXPRESS: „Diese Gemeinde ist ein Mikrokosmos, der unter sich bleibt. Selbst wenn Frauen so etwas passiert, würden wir das wahrscheinlich gar nicht bemerken. Wir sind zwei Gesellschaften, die nebeneinander her leben.“

Auffällig war, dass sich von den Anwohnern kaum einer fotografieren oder zitieren lassen wollte. Vielleicht doch Angst vor den Islamisten?

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