Eigentlich, sagt er leise und lächelt, könne er ja auch mal was schräges Weihnachtliches von Motörhead oder den Kastelruther Spatzen spielen. „Aber vielleicht ist das auch zu viel. Ich sehe das immer wie beim Kochen. Zu viel Chili in der Suppe, das schmeckt’s ja keinem mehr.“
Mike Litt, 45, aus Düsseldorf. Radiomann, Musikproduzent, Buchautor (siehe Extrabericht) und jetzt wieder „Der einsamste DJ der Welt“. Von 19.03 bis 1 Uhr nachts am Heiligen Abend auf EinsLive zu hören. Zum 15. Mal schon.
Ein „Suppenkoch“ mit rund 500 CDs im Alukoffer, die er extra für die Sendung mitbringt. Whams „Last Christmas“ ist dabei, die „Roten Rosen“ (Toten Hosen) oder Johnny Cash.
Der einsamste DJ der Welt. Zur Show kam er fast wie Maria zum Kinde. Freundin weg, kein anderer wollte ran ans Mikro. Litt: „Ich habe das als Chance gesehen, gerne angenommen.“
Inzwischen gehört er dazu – wie der Braten oder die Bescherung. „Anfangs kriegte ich Faxe, jetzt E-Mails, und ich habe ein elektronisches Gästebuch. Das quillt über. Da schreibt ein Polarforscher, einer aus dem 40 Grad heißen Arizona, ein anderer erzählt vom besinnlichen Heiligabend mit seiner Mama, will dann aber Techno hören. Da grüße ich dann, spiel das aber nicht und denke: Hey, mach dir nicht die Stimmung kaputt.“
Wie lange kann und will Litt, inzwischen verheiratet und Vater der Zwillinge Mats und Aidan (18 Monate), noch an Heiligabend Radio machen? „Keine Ahnung, meine Frau wusste bei mir, worauf sie sich einlässt. Mir macht das Spaß, das im Studio ist mein Weihnachten. Bescherung machen wir in der Familie am ersten Feiertag. Und überhaupt: So viele Leute müssen Heiligabend arbeiten …“
Aber vielleicht kann er ja irgendwann mal von zu Hause den Weihnachtsengel geben. Das hieße dann Derendorf statt Kölner City. Denn Litt lebt gern in Düsseldorf.
„Ich habe eine besondere Verbundenheit zu Düsseldorf. Das war die Stadt, in der ich als kleiner Junge aus Amerika gelandet bin. Ich fand die Stadt immer angenehm und entspannt, verehre Heinrich Heine und habe riesige Hochachtung vor »Kraftwerk«.“
Mike Litt, geboren in Falls Church/USA, den amerikanischen Vater hat er nie kennengelernt, die Mutter ließ ihn bei der Oma in Dorsten, als Mike 5 war.
Bis er Radiostar wurde, schlug sich Mike Litt mit diversen Jobs durch. Auch davon erzählt er in seinem neuen Buch „Der einsamste DJ der Welt“, erschienen bei DuMont, 8,99 Euro.
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