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Fan-Randale: Kostet dieser Einsatz die Polizei 100.000 Euro?

Am 8. Mai griff die Polizei hart gegen Rostocker Fans durch. Das Verwaltungsgericht erklärte das Vorgehen jetzt aber für rechtswidrig.

Am 8. Mai griff die Polizei hart gegen Rostocker Fans durch. Das Verwaltungsgericht erklärte das Vorgehen jetzt aber für rechtswidrig.

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Felix Linde

Düsseldorf -

Der 8. Mai 2010, Altstadt Düsseldorf, Kurze Straße: Rund 150 Fans von Hansa Rostock sind von der Polizei umzingelt. Es kommt zu Randale.

Jetzt hat dieser Einsatz ein juristisches Nachspiel: für die Polizei selbst! Sie muss den Fans Schmerzensgeld zahlen.

Es war das letzte Spiel der damaligen Zweitligasaison. Hansa Rostock war bei Fortuna zu Gast. Die Aggressivität der berüchtigten Hansa-Anhänger ist hoch. Sie steigt noch höher, als die Polizei beginnt, die Kurze Straße abzusperren, wo sich die Rostocker im Bierhaus Zille getroffen hatten.

Niemand mit Rostocker Fanutensilien kam aus dem Kessel mehr heraus. Wenig später fliegen Flaschen, Tische, Stühle und Steine gegen die Polizei.

Die greift hart durch, nimmt insgesamt 159 Fans fest, 14 Polizisten werden verletzt. Ihre Personalien werden aufgenommen, sie werden noch vor Ort einer Leibesvisitation unterzogen, im Polizeigewahrsam noch einmal. Handys werden konfisziert. Die Fans sitzen bis zu 21 Stunden im Gewahrsam.

Drei Betroffene haben gegen diese Behandlung vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht geklagt – und gewonnen.

„Die Ingewahrsamnahme des Klägers ist rechtswidrig gewesen“, urteilte der Richter. Kritisiert wurde, dass den Festgenommenen keine Beteiligung an der Randale nachgewiesen werden konnte, sie trotzdem nicht zügig einem Richter vorgeführt wurden, der über die Rechtmäßigkeit der Maßnahme hätte entscheiden können.

Wegen des Freiheitsentzugs und der Bedingungen in der Arrestzelle (zu viele Personen, nur Loch im Boden statt Toilette, keine Betten und Stühle) haben diese Fans jetzt sogar zwischen 500 und 700 Euro Schmerzensgeld bekommen. Das Polizeipräsidium zahlte freiwillig.

Jetzt droht eine Zahlung von bis zu 100.000 Euro – wenn alle anderen Betroffenen auch Schmerzensgeld einfordern. Bis Ende des Jahres läuft noch die Verjährungsfrist. Unter den Rostocker Fans wird bereits aufgerufen, dies zu tun. „Der Anspruch besteht bei allen“, sagt Anwältin Dr. Anna Luczak, die die Kläger vertreten hat.

Das sieht man im Präsidium anders. Polizeisprecher Andreas Czogalla: „Ob auch weitere Personen nach den Krawallen Anspruch auf Zahlungen von Schadenersatz haben, muss in jedem Einzelfall individuell geprüft werden.“