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Fahndung im Schnecken-Tempo: Warum veröffentlicht die Polizei Täter-Fotos so spät?

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Ein EC-Karten-Dieb beim Abheben von Geld, gefilmt von der Überwachungskamera des Automaten. Passiert ist die Tat am 1. Dezember – veröffentlich wurde das Foto von der Polizei allerdings erst am 17. Januar.
Ein EC-Karten-Dieb beim Abheben von Geld, gefilmt von der Überwachungskamera des Automaten. Passiert ist die Tat am 1. Dezember – veröffentlich wurde das Foto von der Polizei allerdings erst am 17. Januar.
Foto: Polizei
Düsseldorf –  

Immer wieder fahndet die Polizei mit Fotos und Phantombildern nach Verbrechern. Meistens allerdings erst Monate nach der Tat. Ist unsere Polizei so schnarchig, oder geht es nicht anders? Findet man so überhaupt einen Verbrecher?

Zuletzt schickte die Düsseldorfer Polizei am Donnerstag ein Fahndungsfoto in den Umlauf: Wir sehen einen Mann mit Fellmütze, der mit einer geklauten EC-Karte an einem Bankautomaten Geld abhebt. Die Tat passierte allerdings schon am 1. Dezember …

Beispiel 2: Am 29. Oktober überfällt ein Räuber einen Discounter in Angermund. Erst am 9. Januar veröffentlicht die Polizei dazu ein Phantombild. Beispiel 3: Am 10. Oktober attackiert ein bislang Unbekannter eine Prostituierte in ihrer Wohnung in Rath mit einem Elektroschocker. Obwohl ein Zeuge versucht, den Mann aufzuhalten, gelingt ihm die Flucht. Dabei wird er von Überwachungskameras gefilmt. Fahndungsfotos veröffentlicht die Polizei allerdings erst am 27. November.

Ist die Polizei zu faul? Wird sie von der Justiz ausgebremst? Warum werden die Fotos erst so spät veröffentlicht? EXPRESS hakte nach: „Fahndungsfotos sind der letzte Strohhalm der Ermittler“, erklärt Staatsanwalt Ralf Herrenbrück. Man dürfe erst als letzte Fahndungsmaßnahme die Fotos veröffentlichen.

„Bis dahin müssen zunächst Filme und Fotos gesucht (etwa Kameras in der Nähe der Tatorte), auf den Trägern geprüft, ausgewertet, gesichert und technisch bearbeitet werden. Viele Zeugen müssen gefunden, geladen und gehört werden. „Man muss ihnen die Fotos zeigen, damit sie den Täter identifizieren können“, sagt Polizeisprecher Marcel Fiebig.

Das kann im besten Fall Tage, im schlechtesten Fall Monate dauern. Nur wenn Gefahr für die Öffentlichkeit besteht, kann dieses Verfahren beschleunigt werden. Zuletzt zum Beispiel bei dem versuchten Bombenattentat im Bonner Hauptbahnhof. Oder wenn ein gemeingefährlicher Verbrecher auf der Flucht ist.

Erst danach kann sich die Polizei an die Staatsanwaltschaft wenden. Die wiederum muss einen Antrag beim Richter stellen. Erst wenn der seine Genehmigung erteilt hat, dürfen die Fotos herausgegeben werden. Es geht dabei um die Unschuldsvermutung und den Persönlichkeitsschutz.

Trotz der oft langen Zeit zwischen Tat und Öffentlichkeitsfahndung gebe es dennoch immer wieder Erfolge, sagt die Polizei. „Es ist oft erstaunlich, wie gut sich Zeugen erinnern können. Wir haben so im März 2011 damit einen Vergewaltiger überführt und im letzten Jahr einen Anlagebetrüger“, erklärt Andreas Czogalla von der Polizei.

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