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Empfehlen | Drucken | Kontakt 22.12.2012 - 15:38 Uhr

Eisenbahn-Experte : Der Unfall hätte verhindert werden können

Von GÜNTHER CLASSEN
Ein Bahnübergang mit Vollschranke: In der weißen „Tonne“  steckt eine Radar-Überwachung. Sie meldet Hindernisse, stoppt Züge automatisch.
Ein Bahnübergang mit Vollschranke: In der weißen „Tonne“ steckt eine Radar-Überwachung. Sie meldet Hindernisse, stoppt Züge automatisch.
Düsseldorf –  

Nach dem Horrorunfall mit dem Bus am Bahnübergang in Eller meint Bahnverkehrs-Experte Franz Schilberg: „Den Unfall hätte man verhindern können.“ Denn EXPRESS fand heraus:

Erst vor wenigen Monaten wurde am Bahnübergang eine defekte Vollschranke durch eine billigere, aber gefährliche Halbschranke ersetzt.

Warum gefährlich?

An 2700 Halbschranken in Deutschland gab es im Jahr 2010 (Zahlen für spätere Jahre liegen nicht vor) 29 Tote, an 6900 Vollschranken dagegen keinen einzigen Toten. Grund: An Halbschranken wird kein Zug automatisch gestoppt.

Diplom-Ingenieur Franz Schilberg: „Man hätte dort nie und nimmer eine Halbschranke bauen dürfen. Das Unglück wäre durch eine Vollschranke mit einem Zug-Stopp-System verhindert worden. Unfassbar, dass sie nicht erneuert wurde. Auf dieser Strecke fahren täglich 200 Züge, ein Linienbus kommt alle paar Minuten und sie liegt in einem Wohnviertel.“

Bahn-Experte Franz Schilberg: Eine Vollschranke muss hin!
Bahn-Experte Franz Schilberg: Eine Vollschranke muss hin!

Warum sind Vollschranken sicherer?

Sie können nicht wie Halbschranken umfahren oder umgangen werden, melden über eine Radar-Gefahrenmeldeanlage Hindernisse wie einen Bus oder ein Auto, bremsen rechtzeitig über Kontakte an den Schienen oder Stopp-Signale nahende Züge. An Halbschranken: Fehlanzeige!

CDU-Ratsherr Christian Rütz wunderte sich schon: „Wieso gab es da keine automatische Zugbremsung?“ Bezirkvorsteher Wilhelm van Leyen (CDU): „Da muss wieder eine Vollschranke hin.“ Sein Parteikollege Heribert Barb: „Wir haben Zweifel, ob die Bevölkerung ausreichend geschützt ist.“

Bahn-Sprecher Dirk Pohlmann: „Halbschranken kann man nicht mit Gefahrenmeldeanlagen ausbauen. Dafür gibt es keine technische Grundlagen.“ Der Bau der Halbschranke „Am Hackenbruch“, die die Vollschranke ersetzte, soll laut Deutsche Bahn nach einer Gefahrenabschätzung vorgenommen worden sein.

Bahn-Experte Schilberg: „Wenn die Schranke sowieso zerfetzt ist und neu gebaut wird, müssen die Politiker darauf drängen, dass wieder eine Vollschranke hinkommt. Nur sie kann solche schrecklichen Unglücke, wie geschehen, verhindern.“

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