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Chaos in Düsseldorf: Rheinbahn: „Alle Bahnen hatten Alzheimer“

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Damit die Fahrgäste wussten, in welche Bahn sie stiegen, hatten sich die Fahrer Schilder in die Scheibe geklebt.

Foto:

David Young

Düsseldorf -

Nichts ging mehr – so ein Chaos hatte man bei der Rheinbahn noch nie erlebt.

Am Donnerstag trat der Computer-Super-GAU ein, und alle Busse und Bahnen hatten plötzlich „Alzheimer“. Hunderttausende kamen zu spät zur Arbeit, warteten vergeblich auf ihre Bahn. Und für die Rheinbahn wird das richtig teuer!

„Error“ statt Update

Ein Tastendruck am Computer in der Rheinbahn-Leitstelle hatte genügt, um das Mega-Chaos auszulösen: Statt eines Update der Programme überall „Error“!

„Wir können uns nur bei allen Düsseldorfern und Fahrgästen tausendmal entschuldigen“, sagte Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. „Unsere Verkehrsmittel haben ihr elektronisches Gedächtnis verloren. Busse und Bahnen haben sozusagen »Alzheimer«.“

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Dieser Computer in der Rheinbahnleitstelle hatte einen Totalabsturz. Danach ging in Düsseldorf alles drunter und drüber.

Foto:

Rheinbahn

Konsequenz: Die Fahrzeuge wussten noch nicht einmal mehr, wer sie sind. Die digitalen Fahrzeuganzeigen drehten völlig durch, zeigten von „Zug endet hier“ bis „U 8888“ so ziemlich jeden Unsinn an – nur nicht die richtige Linie.

 Am „Landsknecht“ in Meerbusch-Büderich beispielsweise lief eine Bahn ein, die angeblich als „U 79“ auf dem Weg nach Wittlaer war – also eindeutig auf der falschen Rheinseite unterwegs!

Damit die Fahrgäste Bescheid wussten, klebten sich die Fahrer ein Papier mit der jeweiligen Linienbezeichnung in die Scheibe. Den elektronischen Anzeigetafeln an den Bahnsteigen und Haltestellen erging es auch nicht besser: Sie zeigten am Morgen nur Unsinn, später dann gar nichts mehr an.

Weichen wurden per Hand gestellt

War aber auch nicht weiter schlimm – nach Fahrplan fuhr nämlich schon lange nichts mehr. Es fährt ein Zug nach nirgendwo: Die „Bahnen ohne Erinnerung“ wussten nicht wohin, so dass alle Weichen im Stadtgebiet per Hand gestellt werden mussten – willkommen in der Steinzeit!

Klar, dass die Laune der Passagiere aufgrund der Ausfälle und Verspätungen an den proppenvollen Haltestellen nicht gerade überschwänglich war.

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„Entschuldigen sie die Störung“: An den Anzeigetafeln konnte man gestern gar nichts ablesen. Auch sie waren abgestürzt.

Foto:

David Young

Einziger Lichtblick: Wenn überhaupt eine Bahn kam, konnte man mit ihr am Donnerstag umsonst fahren – aufgrund des großen Computercrashs waren nämlich auch die Fahrkartenautomaten lahmgelegt. Für die Rheinbahn ein Verlust im hohen sechsstelligen Bereich.

Damit es am Freitag wieder läuft, legten die Rheinbahner eine Nachtschicht ein. Schumacher: „Es sind 550 Fahrzeuge betroffen. Es ist leider unmöglich, sie von außen zu rebooten. Wir müssen in jede Bahn und in jeden Bus, um die Daten dann wieder mit einem Stick aufzuspielen.“ Dann soll der größte Rheinbahnstörfall der Geschichte wieder behoben sein.

Wie ein Computer-Update zum totalen Zusammenbruch führte

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Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher erklärt den Vorfall.

Foto:

Rheinbahn

Es war nur ein simples Computerupgrade, und plötzlich war das Chaos perfekt. Denn das ITCS (Intermodal Transport Control System) fuhr nicht mehr hoch. Totalabsturz der Kommunikation zwischen Leitstelle und Fahrzeugen.

Seit einem Jahr arbeitet die Rheinbahn mit dem neuen Betriebssystem. Seit Donnerstag weiß ganz Düsseldorf, wie wichtig es ist, dass es funktioniert …

„Durch den Absturz war die Verbindung von der Leitstelle zu unseren Fahrzeugen gekappt“, erklärt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. In heutigen Zeiten, in denen der komplette öffentliche Nahverkehr computergesteuert ist, eine fatale Situation. Denn die Bahnen können nur tun, was der Computer in der Leitstelle ihnen befiehlt. Nicht nur das: „Das System stellt auch die Weichen.“

Georg Schumacher: „Das sind eben die Schattenseiten der modernen Technik. Mit den alten Kurbelbahnen hätten wir die Probleme nicht gehabt.“

(exfo)

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