Es hört sich harmlos und idyllisch an: Beim Internet-Spiel Farmville pflanzen die Spieler Erdbeeren und Bäume an, melken Kühe und bauen sich ein Bauernhaus. Im Online-Netzwerk Facebook ist das Spiel in kürzester Zeit zu einem Massenphänomen geworden. Knapp 75 Millionen virtuelle Bauern aus allen Teilen der Welt beackern ihr kleines Stück Internet-Land - Tendenz steigend.
Doch in der Farmville-Welt ist nicht alles eitel Sonnenschein: Verbraucherschützer warnen vor der Datensammelwut des Anbieters, einige Spieler berichten von unerlaubten Konto-Abbuchungen.
Die amerikanische Internet-Firma Zynga zeigt sich überrascht von dem Erfolg des erst im Juni 2009 gestarteten Spiels. Die virtuellen Welten bringen den Betreibern durchaus reales Geld. Bei Farmville zum Beispiel kann man zwar zunächst kostenlos mit Fleiß „Erfahrungspunkte“ sammeln und virtuelles Geld verdienen, um sich Saatgut und Tiere kaufen zu können. Dafür muss der Farmer regelmäßig nach seinen Pflanzen sehen, denn sonst gehen sie ein. Begehrte Elemente wie etwa ein Haus kriegt man aber schneller, wenn man für echtes Geld sein Farmville-Konto auffüllt, per Kreditkarte oder über den Bezahldienst Paypal.
Kritiker zweifeln allerdings daran, ob alles sauber zugeht in den niedlichen Online-Welten. So sollen Partner von Zynga dubiose Geschäftspraktiken angewandt haben.
Sie boten Nutzern Farmville-Geld an, wenn diese Software oder Handy-Klingeltöne kauften. Kritiker wie das IT-Blog TechCrunch sahen dahinter eine Abo-Falle. TechCrunch- Gründer Michael Arrington prägte für das System den Begriff „ScamVille“ - Betrugs-Stadt. In den USA läuft eine Sammelklage gegen Facebook und Zynga. Der Spiele-Anbieter stoppte die Abo-Praktiken daraufhin.
Spannend wird es auch beim Thema Datenschutz. Wer sich das Spiel auf sein Facebook-Profil lädt, erlaubt Zynga den Zugriff unter anderem auf die eigenen Profilinformationen, Fotos und Informationen über Freunde. „Die Datenschutzerklärung ist teilweise sehr vage und der Anbieter behält sich vor, so gut wie alles abzurufen“, sagt Henry Krasemann vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig- Holstein.
Das Unternehmen erstellt ein Profil der Nutzer, für das es Daten aus etlichen Quellen zusammensetzt: Etwa „Zeitungen, Internetquellen wie Blogs, Kurzmitteilungsdiensten, Zynga-Spielen und von anderen Zynga-Nutzern“, wie es auf der Website des Unternehmens heißt. Zusammen mit Browser-Informationen über die besuchten Websites werden diese Daten für gezielte Werbung genutzt. Nach deutschem Recht ist das fragwürdig, wenn nicht gar unzulässig, sagt Krasemann, genauso wie die dauerhafte Speicherung der Daten durch Zynga.
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