Empfehlen | Drucken | Kontakt20.01.2012 - 19:14 Uhr

Polizei stürmte Villa: Kim Schmitz verbarrikadierte sich im Panikraum

Von MARIE SCHÄFERS
Kim Schmitz alias Kimble alias Kim Dotcom (37) nach seiner Festnahme in Neuseeland. Wegen illegaler Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke drohen ihm 20 Jahre Haft in den USA.
Kim Schmitz alias Kimble alias Kim Dotcom (37) nach seiner Festnahme in Neuseeland. Wegen illegaler Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke drohen ihm 20 Jahre Haft in den USA.
Foto: dpa

Er hat fast so viele (selbst erfundene) Namen wie Kilos auf den Hüften und ebenso viel Dreck am Stecken: Kim Schmitz (37) – Ex-Hacker, Dauer-Hochstapler, Internet-Millionär. „Kimble“ nannte er sich, er war „Dr. Evil“, „Kim Tim Jim Vestor“ und neuerdings „Kim Dotcom“. Und wieder einmal in Haft. Denn sein derzeitiges Projekt, der Internetdienst „Megaupload.com“, wurde vom FBI gesperrt und Schmitz in Neuseeland verhaftet.

Es ist eine noble Adresse, zu der die Einsatzkräfte in der Nähe von Auckland anrücken. 30 Mio Dollar kostet die üppige Villa, die sich Kim Schmitz alias Kim Dotcom am anderen Ende der Welt gemietet hat. Kaufen durfte er sie nicht, das haben die Neuseeländer nicht erlaubt – wegen seiner Vorstrafen. Aber an seinem Image hat Kim längst gearbeitet, der Stadt ein Feuerwerk zum Jahreswechsel spendiert. Mit Geld lässt sich viel ändern. Und davon hat Schmitz genug.

In diesem Prachtanwesen bei Auckland ging der Polizei der dicke Fisch ins Netz.
In diesem Prachtanwesen bei Auckland ging der Polizei der dicke Fisch ins Netz.
Foto: dpa

Doch jetzt das: Polizisten dringen mit Gewalt ins Haus ein, „Kimble“ (nach Film und TV-Serie „Auf der Flucht“) flieht in einen Panikraum, verbarrikadiert sich. Die Polizisten schneiden sich ihren Weg frei. Der Deutsch-Finne kauert in einer Ecke mit einer Flinte, lässt festnehmen.

Die Bilder gehen um die Welt. Mega-Ärger wegen „Megaupload“. Und alle Welt fragt sich: Warum kommt uns dieses (breite) Gesicht nur so bekannt vor?

Kimble, der Hacker
Kim Schmitz war in den 90ern eines der Schwergewichte des Dotcom-Booms. Er kam aus der Hacker-Szene. Erster Computer mit 9, digitale „Einbrüche“ mit 12, dann der Coup bei der Citibank, in deren Rechner er sich einklinkt und 20 Mio Dollar auf das Konto von Greenpeace überweist. Auch die Militärcomputer der US-Streitkräfte sind vor ihm nicht sicher. Er macht im Netz einen auf dicke Hose, prahlt: „Ich bin klüger als Bill Gates.“

Kim, der Unternehmer
Millionen macht er tatsächlich, aber erst nachdem die Polizei ihn wegen seiner Einbrüche 1994 verhaftet. Er bekommt zwei Jahre Haft auf Bewährung. Eine Woche nach seiner Freilassung ist er für die größten Firmen als Sicherheitsberater tätig, gründet ein eigenes Unternehmen. Auf 500 Mio Dollar wächst sein Vermögen an, er wird zu Filmpremieren eingeladen, fährt dicke Schlitten, hat schöne Frauen.

Dr. Evil, der Hochstapler
Nach dem 11. September 2001 setzt Schmitz 10 Mio Dollar auf die Ergreifung von Osama bin Laden aus. Im selben Jahr verspricht er der strauchelnden Firma letsbuyit.com mit 50 Mio Euro unter die Arme zu greifen. Das Investment findet nie statt, die Börse reagiert trotzdem mit dem größten Tagesumsatz in der Geschichte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insidergeschäften und „Kimble“ ist auf der Flucht – nach Thailand. Dort schnappt man ihn, Urteil: fast zwei Jahre Knast.

Kim, der Rückkehrer
Letztes Jahr bestätigte Schmitz, der Gründer von „Megaupload“ zu sein. Der Dienst ist megaerfolgreich. Und illegal, sagt das FBI. Die Gewinne wurden mit der Verbreitung von Raubkopien erzielt. „Megaupload“ zahlte seinen Nutzern sogar Prämien, wenn die besonders viele populäre Inhalte hochladen. Hinter den Ermittlungen stecken die Film- und Musikindustrie. Denen war Kim ein fetter Dorn im Auge. Jetzt bleibt bei Megaload der Bildschirm schwarz und die Zukunft für Kimble sieht nicht anders aus. Ihm droht wieder Haft - dieses Mal sind es 20 Jahre.

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