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Empfehlen | Drucken | Kontakt10.02.2012 - 19:48 Uhr

BVB-Boss Watzke: „Klopp Bundestrainer? Nicht vor 2016!“

Von THOMAS GASSMANN
Boss Watzke mit Erfolgs-Coach Jürgen Klopp.
Boss Watzke mit Erfolgs-Coach Jürgen Klopp.
Foto: dpa
Köln –  

2005 war der BVB am Boden. Der Kult-Klub kämpfte um die Existenz. Sieben Jahre später ist Schwarz-Gelb auf der Überholspur.

Der Mann, der das Wunder schaffte, heißt Hans-Joachim Watzke. Der 52-Jährige baute einen neuen, frechen, erfolgreichen Klub. Dabei scheute er nicht die Konfrontation mit den „Dax-Klubs“. In unserem Gespräch zeigt er sich als mutiger Lautsprecher mit sensiblen Zwischentönen.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im großen Interview

Herr Watzke, wie geht es Ihnen?

Noch gut. Aber das bleibt nicht so. Vor einem Spiel bin ich ein anderer Mensch. Ich werde extrem nervös. Da sollte man mich besser in Ruhe lassen.

Haben Sie Angst vor Bayer?

Nein, nein. Aber ich muss schon sagen, dass die Leverkusener eine tolle Mannschaft haben. Die haben uns im letzten Jahr bis zum Schluss verfolgt. Das zeigt, dass sie eine große Qualität haben.

Hätte sich der BVB auch einen Ballack leisten können?

Nein. Uns ist es nicht möglich, aus einem Sonderposten eines Werks (Bayer AG; die Red.) einen Spieler dieser Kategorie zu finanzieren.

Sie sprechen über Wolfsburg oder Bayer Leverkusen gerne von Dax-Klubs und haben auch Hoffenheims Sponsor Dietmar Hopp attackiert. Kritiker werfen Ihnen Polemik vor. Wer hat recht?

Natürlich ich! Ich habe nämlich keine Lust, in der Harmoniesoße herumzurühren. Man darf doch offen aussprechen, dass diese Vereine dank der Zuwendungen der Konzerne klare Wettbewerbs-Vorteile gegenüber anderen Klubs haben. Schauen Sie nach Wolfsburg. Es ist doch Wahnsinn, was da passiert.

Sind Sie neidisch, dass VW Millionen hinzuschießt?

Nein. Aber ich darf doch wohl darauf hinweisen, dass das so ist. Und dass ein Klub wie zum Beispiel der 1. FC Köln diese Möglichkeiten eben nicht hat.

Und was halten Sie von Bayer?

Sie haben einen Konzern im Rücken. Das ist nun mal so. Aber sie machen einen guten Job. Sie haben eine tolle Mannschaft. Und ich habe kein Problem mit Wolfgang Holzhäuser oder Rudi Völler. Ich werde vor dem Spiel mit ihnen sogar essen gehen und Dienstag gegen Barcelona im Stadion sein.

Verraten Sie das Geheimnis?

Kommt darauf an.

Wie kamen Sie auf die geniale Idee, Jürgen Klopp zu verpflichten?

Michael Zorc (BVB-Sportdirektor; die Red.) und ich hatten eine Philosophie. Wir wollten eine junge, freche Mannschaft aufbauen. Mit Schmelzer, Hummels und Großkreutz hatten wir bereits Spieler dafür. Uns fehlte der richtige Trainer. Dann haben wir mit Klopp gesprochen. Logisch war das nicht, denn er hatte mit Mainz gerade den Aufstieg verpasst. Aber in den Gesprächen hat er uns total überzeugt.

Sie hätten auch Ottmar Hitzfeld holen können...

Hitzfeld ist ein großartiger Trainer. Aber er hätte nicht zu uns und unserer Idee gepasst.

Glauben Sie ernsthaft daran, dass Sie Klopp bis 2016 halten können?

Warum nicht?

Er wird als Nachfolger von Bundestrainer Jogi Löw hoch gehandelt?

Dann muss der DFB bis 2016 warten.

Hat Klopp keine Ausstiegsklausel?

Nein, so etwas gibt es nicht.

Er bleibt?

Ja. Daran gibt es keine Zweifel. Ich vertraue ihm. Ich darf sogar sagen, dass wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis haben.

Vor sieben Jahren drohte die Insolvenz. Wie geht es dem BVB heute?

Blendend. Wir sind neben den Bayern und den Werksklubs der gesündeste Klub in der Bundesliga.

Dann hatte Ihr Ex-Geschäftsführer Michael Meier also recht, als er behauptete, dass Dortmund nie vor einer Pleite gestanden habe?

Ich weiß nicht, wie er so etwas sagen konnte. Vielleicht verdrängt er etwas. Uli Hoeneß hat doch gerade erst bekannt gegeben, dass ohne seine Zwei-Millionen-Euro-Hilfe beim BVB Schluss gewesen wäre. Die Lage damals war existenzbedrohend.

Sie haben Gladbachs Marco Reus, den auch die Bayern holen wollten, für 17,5 Millionen € gekauft. Zahlen Sie etwa mehr als die Münchner?

Nein! An das Gehaltsniveau der Bayern kommen wir nie ran. Aber Marco ist ein cleverer Junge. Er hat sich für eine sehr talentierte Mannschaft entschieden, die noch lange nicht fertig ist in ihrer Entwicklung.

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