Empfehlen | Drucken | Kontakt03.12.2010 - 09:03 Uhr

Was machen Teenager?: Von "Bermuda-Dreieck" bis "Passwort-Cultra"

Der schmeckt auch durch den Strohhalm: Anica auf dem Brühler Weihnachtsmarkt an der Bude von Bettina Link.
Der schmeckt auch durch den Strohhalm: Anica auf dem Brühler Weihnachtsmarkt an der Bude von Bettina Link.
Brühl –  

Die Stadt vor den Toren des Vorgebirges ist bekannt für Kunst und Kultur. Aus der ganzen Welt kommen Menschen Jahr für Jahr und besuchen Schloss Augustusburg und das Max-Ernst-Museum. Wie aber ist das Angebot für Jugendliche vor Ort? Was kann man als Teenager in Brühl erleben? Dieser Frage geht EXPRESS nach und holt sich Unterstützung bei Anica Tischler. Das 16-jährige Brühler Mädchen ist Mitglied im Jugendgemeinderat.

Unser Weg beginnt – wie soll es anders sein – in der Brühler Innenstadt, mitten auf dem Weihnachtsmarkt. An der Brühler Glühweinhütte nämlich gibt es nicht nur Alkoholisches, sondern auch einen exzellenten Kakao, den Anica von Bettina Link (25) ausgeschenkt bekommt. „Klar, nachmittags sind schon viele Jugendliche hier“, weiß die Kölnerin, „aber so richtig kommen die alle erst abends aus ihren Löchern.“

Anica grinst und lässt das lieber unkommentiert stehen. Vom Marktplatz aus gehen wir die 60 Meter in Richtung „Bermuda Dreieck“, in dem sich das Brühler Partyleben abspielt: Drei Eventlokale, zwischen denen auf engstem Raum gependelt wird.

Gleich bei der ersten Gastronomie, dem „Mäx“, erleben wir eine kleine Schlappe, die Anica aber schon angekündigt hat, denn Jugendliche aus Brühl wissen, dass man hier erst ab 18 Jahre rein darf. „Wir sehen uns in zwei Jahren“, sagt der freundliche Mann hinter dem Tresen. Macht nix, denn gegenüber wartet das legendäre „Em Höttche“ auf uns und hier steppt am Wochenende der sprichwörtliche Bär: Bis zu 1000 Menschen (!) vergnügen sich bei Themenpartys in der holzgetäfelten Kneipe. Ihren 16. Geburtstag hat die Gymnasiastin hier gefeiert: „Das war einfach der Hammer“, sagt sie.

Brühler Stadtrundgang für Teenager
Bildergalerie ( 8 Bilder )

Tresenkraft Christian Ritter (25) bestätigt, dass man sich samstags abends „Em Höttche“ kaum noch bewegen kann, so gedrängt steht das Publikum. Bei unserem Besuch allerdings ist reichlich Platz, sogar der Billardtisch steht noch im großen Raum und Anica kann schnell eine Kugel schieben.

Die dritte Gastronomie im Dreieck ist das Seasons, und hier treffen sich die Jugendlichen gerne zum Quatschen. Wir gehen zurück zum Markt, und Annica führt den EXPRESS zur „Wandel Bar“: „Schon längst kein Geheimtipp mehr“, diagnostiziert die Expertin. Stimmt: Wer so leckere alkoholfreie Cocktails mixt wie Kostas (39), der zieht Publikum magisch an.

Und im Winter ist die „WandelBar“ für den Glühwein mit Apfelstücken berühmt, im Sommer läuft die Holunderschorle wie „geschnitten Brot“. „Alle Brühler kommen gerne zu uns“, sagt Mike (50).

Nicht weit von der „WandelBar“, gleich am Rathaus, ist eines der besten Kinos der Republik, das „Zoom Kino“. Einst von einem Verein gegründet, um den Kinobetrieb in Brühl zu sichern, heimst das Programmkino Preise um Preise für seine spezielle Filmauswahl ein, wie Vorführerin Eva Kramer (59) mit Stolz berichtet. Aber das interessiert Anica nicht so, denn die Jugendlichen wollen lieber die Top-Streifen aus den Kinocharts sehen: „Kommt der neue Harry Potter?“, fragt sie und wird beruhigt: „Ja, klar, aber erst nächstes Jahr.“

Nachdem Anica noch einen Blick in den Filmvorführerraum geworfen hat, machen wir uns auf den Weg in den Brühler Norden, ins „Passwort-Cultra“. Ein ganz normales Jugendzentrum? Nein, hier hat mal einer richtig nachgedacht: Wie ein großes Veranstaltungszentrum sieht das moderne Gebäude aus, und im modernen Eingangsbereich gibt es Licht hinter orangefarbenen Scheiben und links ein Café, das mit einem modernen Tresen ausgestattet ist.

Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus, denn dieser Treffpunkt für Jugendliche hat so gar nichts mehr mit den bekannten Jugendzentren zu tun: Nirgendwo Sperrholzmöbel, keine zugemalten Wände, und gelangweilte Jugendliche sieht man auch nicht. Stattdessen motiviertes Jungvolk und ein cooler gut aussehender Erwachsener, der uns freundlich die Hand schüttelt und erklärt, wo wir sind: „Wir kommen alle aus der Jugendarbeit, und seit Jahren gab es diese Stagnation in den Jugendzentren. Und vor dem Hintergrund, dass da jährlich 260000 Euro reingeschossen werden, ließ sich das nicht mehr rechtfertigen.“ Also habe man mal richtig nachgedacht, sagt Dirk Naumann (39), einer von drei Managern des Cultra, und das Gebäude an der Liblarer Straße wurde mit Unterstützung der Stadt vom Arbeiter-Samariter- Bund, der das Haus auch betreibt, gebaut.

Es gibt drei Musikprobenräume, ein digitales Tonstudio, einen Veranstaltungssaal für bis zu 500 Personen, mehrere Gruppenräume, ein Begegnungscafé, die Geschäftsstelle für den Stadtjugendring und weitere für alle Brühler Jugendlichen nutzbaren Räumlichkeiten, in denen vielfältige zeitgemäße Aktivitäten stattfinden – zum Beispiel am 18. Dezember das erste Brühler Hörkino. „Hier ist es echt krass“, sagt Anica, die schon mal eine Karnevalsparty im „Cultra“ erlebt hat.

Und als Dirk Naumann vom digitalen Tonstudio erzählt, in dem auch Radio gemacht wird, ist die 16-Jährige kaum noch zu halten, denn sie möchte gerne Journalistin werden. Natürlich darf Anica am digitalen Mischpult Platz nehmen und wird von Naumann in die Geheimnisse der Technik eingewiesen. „Du kannst auch gerne bei uns mitmachen“, betont Dirk Naumann und spricht damit nicht nur Anica an, sondern alle Brühler Jugendlichen, die im „Passwort-Cultra“ sehr gerne gesehen.

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