Der Fall Anna (9): Sind etwa noch mehr Akten vernichtet worden – oder ist alles nur ein seltsamer Zufall? Am Donnerstag kam beim Prozess raus: Auch in der Pflegevermittlungsstelle Bad Honnef sind Unterlagen verschwunden.
Erst die „gesäuberten“ Akten im Jugendamt Königswinter, jetzt der neue Fall: Es geht um die Dokumentation einer Mutter, die zwei behinderte Kinder bei der angeklagten Petra W. (52) in der Tagespflege hatte. Die Papiere sind weg.
Die Mutter hatte sich bei der Vermittlungsstelle für Pflegekinder über Petra W., die Anna in der Badewanne ertränkt haben soll, beschwert. Ihr Kind würde etwa zum Essen gezwungen. Die Mitarbeiterin der Stelle machte einen Vermerk, heftete ihn in die Akte, die in einem Schrank verschlossen wurde.
Drei Monate nach dem Tod von Pflegekind Anna machte die Stadt Bad Honnef im Oktober 2010 die Vermittlungsstelle, in der Mitglieder der Frauenunion in einem kleinen Büro im Rathaus ehrenamtlich gearbeitet hatten, dicht. Offizielle Begründung: Die teils pensionierten Oberstudienrätinnen hätten nicht die nötige Qualifikation als Sozialpädagoginnen.
Danach verschwanden die Unterlagen aus der Akte. Eine Mitarbeiterin der Vermittlungsstelle: „Das dürfte das Jugendamt Bad Honnef entnommen haben. Es war ja unter Verschluss.“ Das Amt habe außerdem angeboten, die gesamte Akte an sich zu nehmen. Auch zum Schutz der Vermittlungsstelle, habe es geheißen.
Die Damen von der Frauenunion waren Anlaufstelle für Pflegeeltern und Mütter, die ihre Kinder abgeben wollten. Wenn das Jugendamt die Pflegeerlaubnis erteilt hatte, konnte die Stelle aktiv werden.
Petra W. war bei den Müttern allerdings nicht sehr beliebt – 17 hatten sie als Pflegemutter abgelehnt. Eine deutlich überdurchschnittliche Zahl, wie die Mitarbeiterinnen der Vermittlung im Prozess gegen Petra W. und ihren Mann betonten.
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