Bonn - Zivilfahnder im Regierungsviertel, lässig in Jeans und T-Shirt, die Pistole im Halfter: Razzia im World Conference Center Bonn (WCCB).
Stundenlang durchsuchte die Staatwaltschaft am Dienstag Büros im früheren Plenarsaal, stellte kistenweise Beweismittel sicher.
Gleichzeitig leitete sie gegen drei Beteiligte ein Ermittlungsverfahren ein - es geht um Betrug zum Nachteil der Stadt, Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit in Millionenhöhe!
Unter Verdacht stehen der ursprüngliche WCCB-Investor Man-Ki Kim (SMI Hyndai), Architekt Young Ho Hong und Rechtsanwalt Dr. Michael Thielbeer (Geschäftsführer der WCCB Management GmbH).
Die Ermittlungsverfahren gegen das Trio wurden eingeleitet, um zu klären, was tatsächlich rund um die Finanzen beim WCCB-Bau abgelaufen ist. Kein Kommentar der Staatsanwaltschaft aber dazu, ob gegen die drei Tatverdächtigen Haftbefehl erlassen wurde.
Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt (LKA) vollstreckten insgesamt 14 Durchsuchungsbeschlüsse. Auch im Stadthaus tauchten die Ermittler auf, nahmen Akten mit. „Es wird niemand in der Stadtverwaltung beschuldigt“, betont Sprecher Friedel Frechen.
Außerdem wurden die Berliner Büros von Architekt Hong sowie die Räume der Betreibergesellschaft des Kongresszentrums, die WCCB Management GmbH, durchsucht. Ihr Geschäftsführer Thielbeer steht nach EXPRESS-Informationen im Focus der Ermittlungen.
Die Razzien in Bonn und Berlin: Höhepunkt des Skandals um das Prestigeprojekt. Ein Insider: „Die Ermittler werden mit Sicherheit auf einen wahren Sumpf stoßen.“
Das Millionen-Drama ums WCCB: Erst waren die Kosten um 60 Millionen Euro explodiert, dann wurden ohne Wissen der Stadt Anteile an dem Projekt verscherbelt, letztlich fehlen noch 30 Millionen Euro, um das Konferenzzentrum fertigzustellen.
Eine völlig undurchsichtige Gemengelage um Verträge, Investoren und Anteile. Dazu noch offenbar kriminelle Aktivitäten: Das einst so hochgelobte Prestigeobjekt ist zur millionenschweren Falle für die Stadt Bonn geworden.
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