Sein Sieg bei der OB-Wahl im August 2009 war eindeutig. Und Jürgen Nimptsch genoss das Gefühl, kostete den Triumph aus. Gut für ihn. Denn danach wurde es beinhart. Seit drei Monaten ist SPD-Mann Nimptsch im Amt, jetzt zieht er im EXPRESS erstmals eine Bilanz.
Als ihn die Hochrechnungen am Abend des 30. August als sicheren Sieger über Christian Dürig (CDU) auswiesen, da dachte Nimptsch: „Was für ein Glück! Was für ein Erfolg! Die Anstrengungen haben sich gelohnt! Dankbarkeit und Demut, das waren meine Gefühle.“
Jetzt, drei Monate später, hat ihn der nüchterne Regierungsalltag längst eingeholt. „Ich muss mich manchmal innerhalb von Minuten in völlig verschiedene Themengebiete intensiv hineindenken.
Diese Vielfalt konnte ich mir vorher nicht vorstellen. Außerdem hatte ich nicht erwartet, wie tiefgreifend sich das Thema »WCCB« auf die Arbeit und die politische Kultur auswirkt.“
Aber Nimptsch gibt sich trotz der Rückschläge kampfbereit. Das WCCB sei nach wie vor ein starkes Projekt, mit dem man sogar Geld verdienen könne. Der OB: „Unabhängig von den unerfreulichen Dingen, die noch aufzuklären sind, wird Bonn viel gewinnen, weil Kongressgäste hier Geld ausgeben und Arbeitsplätze schaffen.“
Er dämpft aber hochfliegende Erwartungen: „Wir werden wegen des Baustillstandes etwas mehr Geld dazugeben müssen als andere Städte, die mit ihren Kongresszentren 2 bis 3 Millionen jährlich Verlustausgleich einkalkulieren.“ Die exakte Summe lasse sich erst nennen, wenn Verkaufs- bzw. Verpachtungsverhandlungen abgeschlossen seien.
Interessant wird die politische Arbeit im Rat, denn dort sieht sich Nimptsch einer Koalition aus CDU und Grünen gegenüber, während seine Partei, die SPD, außen vor ist. Der OB ganz staatsmännisch: „Wir werden wichtige Fragen nur miteinander beantworten können. Keiner ist deswegen schlauer, weil er in einer Koalition oder in der Opposition ist.“
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