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Voll im Trend!: Bonn im Carsharing-Rausch

Cambio-Kunden können auf Wagen am Juridicum zurückgreifen. Wie bei allen Anbietern gibt es Autos unterschiedlichster Größen.

Cambio-Kunden können auf Wagen am Juridicum zurückgreifen. Wie bei allen Anbietern gibt es Autos unterschiedlichster Größen.

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Schwaiger

Bonn -

Fast täglich nutzt Therapeut Norbert Schlüpen die roten Stattauto-Flitzer – und das sogar für Fahrten zu Patienten. Er ist nicht der Einzige, der auf ein eigenes Auto verzichtet. Carsharing-Dienste boomen in Bonn, bieten inzwischen rund 100 Autos an.

Seit über 20 Jahren ist Carsharing-Veteran Schlüpen in einem der inzwischen 30 Stattauto-Wagen unterwegs. Angst, kein Auto zu bekommen, hat der Vielnutzer nicht. Und das, obwohl immer mehr Bonner auf Carsharing setzen: „Wir stellen einen Zulauf fest,“ erklärt Stattauto-Chefin Christine Ellermann (55).

Bonn ist im Carsharing-Rausch. Das merkt auch Anbieter Cambio. „Der wachsenden Nachfrage tragen wir durch den derzeitigen Ausbau der Stationen um 50 Prozent Rechnung“, berichtet Tanya Bullmann von Cambio. Zu den sechs Stationen mit 20 Wagen kommen jetzt drei weitere, man plant zudem Abholpunkte in Beuel und Godesberg.

Einer der Cambio-Nutzer ist Dennis Klee (28). Er hat sein eigenes Auto abgeschafft, nutzt seit Januar die Leihautos. „Vor allem für Einkäufe, für Fahrten zum Tierarzt und während des Bahnstreiks“, berichtet er. Meist zahle er um die fünf Euro, für längere Fahrten um die 30 Euro. „Früher habe ich 300 bis 500 Euro im Monat für mein eigenes Auto gezahlt“, berichtet er. Das vermisse er nur bei weiten Strecken, greife dann auf Mietwagen zurück.

Inzwischen haben einige Anbieter auch Anwohnerausweise beantragt. So können zehn der insgesamt 35 Fahrzeuge von Anbieter Scouter, der auch mit Flinkster kooperiert, seit kurzem auf allen Anwohnerparkplätzen in der Südstadt parken.
Die Stadt begrüßt den Trend zu geteilten Wagen, wenn der dazu führt, dass man zumindest den Zweitwagen abschafft. So werde die Parksituation im Stadtinneren entlastet.

Aber auch Privatpersonen stellen vermehrt auf Plattformen wie Tamyca und Drivy ihre Autos anderen zur Verfügung. „Besonders gefragt sind solche Fahrzeuge für Kurztrips und Urlaube ab ein bis zwei Tagen, da dann der Preisvorteil besonders deutlich hervortritt“, meint Tamyca-Chef Malte Behrendt. Im Bonner Umland bieten 600 Personen eigene Wagen an, bei Neuling Drivy sind es bislang fünf.

Doch nicht für jeden ist Car-sharing geeignet. Aber Menschen, die im Jahr unter 10 000 km fahren, profitierten deutlich, so der Bundesverband Carsharing. Und 70 Prozent der Nutzer hätten gar kein eigenes Auto.