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Villa Emma: Hier lebt die WG der besonderen Art

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Fünf von 13 Bewohnern der „Villa Emma“: Gisa Essenburg (64), Christian Schulte-Lohmöller (37), Richard Heckner (62) und das Ehepaar Gertrud (84) und Kurt Stümer (91).
Fünf von 13 Bewohnern der „Villa Emma“: Gisa Essenburg (64), Christian Schulte-Lohmöller (37), Richard Heckner (62) und das Ehepaar Gertrud (84) und Kurt Stümer (91).
 Foto: Kuffner
Bonn –  

Alle unter einem Dach – die Villa Emma in Vilich ist Heimat eines außergewöhnlichen Projekts: 13 Menschen zwischen 22 und 91 Jahren, einige davon wegen eines Handicaps auf kleine oder große Hilfe angewiesen, wohnen hier in einer Wohngenossenschaft.

Sie alle haben eigene Appartements, leben selbstständig. Aber sie wissen auch: Bei Not am Mann oder der Frau kann ich auf meine WG-Freunde zählen.

Die Villa Emma in Vilich: Hier leben Menschen zwischen 22 und 91 Jahren.
Die Villa Emma in Vilich: Hier leben Menschen zwischen 22 und 91 Jahren.
 Foto: Kuffner

Rollstuhlfahrer Christian (37) fühlt sich pudelwohl in der Villa Emma: „Hier habe ich wunderbare Möglichkeiten. Ich kann alleine leben, bekomme aber trotzdem Unterstützung, wenn ich sie brauche.“

Hier hilft jeder jedem – ob es nun um den Rollstuhl, den PC, was Handwerkliches oder einfach den Austausch von Lebenserfahrung geht.

Christians 55 Quadratmeter-Wohnung ist hochmodern eingerichtet – inklusive Liftsystemen, um etwa alleine ins Bett oder auf die Toilette zu kommen.

Wenn er Lust auf Gesellschaft hat, nimmt er zum Beispiel am gemeinsamen Mittagessen der WG teil. Ehrenamtler aus der Nachbarschaft kochen das jeden Tag um 13 Uhr in der Gemeinschaftsküche.

„Schon wieder Ärger mit dem WLAN-Router“: Kurt Stümer (91) ist PC-fit. Bei Problemen wendet er sich an Nachbarn.
„Schon wieder Ärger mit dem WLAN-Router“: Kurt Stümer (91) ist PC-fit. Bei Problemen wendet er sich an Nachbarn.
 Foto: Kuffner

„Wir kochen aber lieber selbst, denn um diese Uhrzeit treten wir unseren täglichen Matratzen-Horchdienst an“, lacht der 91-jährige Kurt, tätschelt dabei die Hand seiner Frau Gertrud (84).

Sie erzählt: „Wir kommen aus Vilich, haben 1961 dort gebaut – aber im Alter wurde uns das Haus zu groß. Die Villa war eine tolle Möglichkeit, um in der Heimat und trotzdem selbstständig zu bleiben“.

Es sei zwar erst schwer gewesen, das eigene Haus zu verlassen. „Aber jetzt sind wir glücklich und tausendmal besser aufgehoben als im Altenheim.“

Projekt-Mitgründer Gerd Hönscheid-Gross (65) erklärt das Konzept der Villa, die 2011 für zwei Millionen Euro gebaut wurde: „Wir sind kein Heim und auch keine Bespaßungs-Einrichtung für Senioren. Es gibt hier unabhängige Mietwohnungen und ein großes Angebot zum gemeinsamen Leben für alle Altersgruppen.“

Jeder in der Villa-WG hat auch gemeinschaftliche Verpflichtungen – je nach persönlicher Eignung.

Das Ergebnis ist eine bunt gemischte und vor allem sehr lebhafte Kommune: „Christian…“, flüstert der 91-jährige Kurt zum Ende des EXPRESS-Besuchs seinem Tischnachbarn zu, „…wenn du mir dann gleich mal bei dem Internet-Router helfen könntest? Wir wollten doch sowieso noch mal ein Gläschen Wein zusammen trinken.“

Alle unter einem Dach

Früher war es Alltag: Drei oder gar vier Generationen einer Familie lebten unter einem Dach, halfen sich gegenseitig. Heute gibt es Wohnprojekte, die eine Großfamilie ersetzen.

Alte und Junge, gesunde und Menschen mit Behinderung leben darin gemeinsam. Das Interesse an solchen Wohnformen ist groß, auch in Bonn.

Die großen Initiativen bei uns: „Gemeinsames Wohnen Karmeliterkloster“, „Wohnanlage Amaryllis“, der Verein „Wahlverwandtschaften“ und die „Villa Emma“.

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