Bonn - Die Bonner Taubenplage: Seit Jahren erhitzt das Thema die Gemüter, beschäftigt immer wieder die Politik - vergeblich: Die Stadt kriegt die „Ratten der Lüfte“ einfach nicht in den Griff.
Das neuste Problem: In Godesberg ziehen im Morgengrauen Unbekannte durch die Straßen, streuen kiloweise Taubenfutter. Die Stadt versucht die Fütterer zu erwischen - mit kläglichem Erfolg.
Ulrich Gerlach ist wütend. Kein Wunder: Sein Tabakgeschäft am Moltkeplatz sieht beschissen aus - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Fassade, die Werbetafel auf der Straße - alles ist voll mit Taubenkot. „Das krieg ich gar nicht mehr ab. Und wenn, dann ist es ohnehin am selben Tag wieder total verdreckt“, seufzt der 52-jährige resigniert. Für die Unbekannten, die täglich gleich mehrere Kilo Taubenfutter zwischen den Kies auf dem Platz streuen und so der Plage Vorschub leisten, hat er kein Verständnis: „Ich hab ja eigentlich nichts gegen Tauben - aber das ist doch wirklich ein Unding.“
Die Stadt kommt gegen die illegalen Fütterungen nicht an. Bei 46 Kontrollen im letzten Vierteljahr wurde nur drei Mal jemand erwischt. „Unsere Leute haben sogar in Schaufenstern auf der Lauer gelegen“, erzählt Stadtsprecherin Elke Palm. „Aber es ist uns nicht gelungen, das Problem einzudämmen.“ Ulrich Gerlach ahnt warum: „Die Fütterer gehen sehr geschickt vor. Sie haben Einkaufswagen mit eingebauter Klappe. Dort rieselt das Futter raus, ohne dass man etwas sieht.“
Fütterverbote alleine reichen nicht, doch die Stadt tut sich schwer. Der Einsatz eines Falkners, der Bau eines Taubenhauses am Rand der Fußgängerzone werden seit Jahren heiß diskutiert - entschieden wurde bis heute nichts. „Wir hatten letzten Donnerstag nochmal einen Begehungstermin mit allen Beteiligten“, so Brigitte Grüll vom Stadtmarketing Bad Godesberg. „Jetzt holen wir Angebote von Falknern ein, wollen innerhalb der nächsten 14 Tage eine Entscheidung fällen.“
Ob dann der Kampf gegen die gefiederten Störenfriede endlich richtig losgeht? Bürgermeister Horst Naaß ist skeptisch: „Die Möglichkeiten zur tierschutzgerechten Taubenbekämpfung sind alle schon lange bekannt. Aber die Stadt kriegt das einfach nicht geregelt. Offensichtlich ist der Leidensdruck immer noch nicht groß genug - sonst wäre schon längst was passiert.“
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