Es mutet wie eine dramatische Achterbahnfahrt an: Seit Donnerstag steht Maria S. (59) erneut wegen des Südstadt-Mordes vor Gericht.
Im Februar 2010 war die Multi-Millionärin Esther D. (56) in ihrer Villa mit einer Picasso-Schale erschlagen worden. Maria S. stand unter Verdacht, wurde freigesprochen. Doch der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aufgehoben.
Rückwärts kommt die spindeldürre Frau aus den Katakomben. Justizbeamte wollen sie in die vordere der zwei Anklagebänke führen. Maria S. will aber nicht von vorn fotografiert werden.
Als sie die hintere Bank verlässt, verpasst sie den Zugang zur vorderen - rückwärts geht sie wieder in Richtung Katakomben zurück, muss von einem Wachtmeister in die richtige Richtung geschoben werden.
Zufall oder symbolhaft für die Verirrung, in die sie der Lebenscoaching-Auftrag von Esther D. geführt hat? D. hatte Alkoholprobleme und war kurz zuvor von ihrem reichen Ehemann verlassen worden.
Esther D. war dann offenbar dahintergekommen, dass Maria S. sie um 18.400 Euro betrogen hatte. Weitere Indizien sprechen für die Täterschaft der 59-Jährigen – darunter Blutspritzer an BH, Strumpfhose und Schuh.
Maria S. hat immer bestritten, etwas mit dem Tod der Freundin zu tun zu haben. Sie sprach von einem Treppensturz, als sie in der Todesnacht selbst die Rettungskräfte rief.
Am Donnerstag ließ sie von ihrem Verteidiger Dirk Simon mitteilen, dass sie vor Gericht schweigen will. Hinrich de Vries, Vorsitzender der jetzt zuständigen Kammer, wies darauf hin, dass eine Verurteilung wegen Totschlags in Betracht kommt.
Im ersten Prozess stand noch lebenslänglich für Mord im Raum. Das Schwurgericht hatte sie freigesprochen. Doch der BGH hob das Urteil komplett auf - die Indizien seien isoliert betrachtet worden.
Nur 447 Tage war Maria S. in Freiheit. Am 11. Januar stand um 6.20 Uhr Bonner Polizei vor ihrer Wohnung in Berlin. Die Beamten fuhren sie nach Bonn, um 11.30 Uhr verkündete Richter de Vries den neuen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr.
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