Der Gefangene liegt am Boden der Zelle, das Gesicht zur Seite gedreht, Verzweiflung in den Augen. Er soll sein eigenes Erbrochenes essen. Und er tut es.
Es ist eine Szene aus dem Film „Siegburg“, und es ist nicht einmal die schlimmste und widerlichste! Regisseur Uwe Boll hat aus dem Foltermord in der JVA, der 2006 für bundesweites Entsetzen sorgte, einen Kino-Schocker der brutalen Art gemacht.
Vor drei Jahren passierte das Unfassbare: Drei Häftlinge quälten den Mitgefangenen Hermann H. über viele Stunden. Am Schluss zwangen sie ihn sogar, sich selbst zu erhängen. Haupttäter Pascal I. bekam dafür 15 Jahre Knast plus Sicherungsverwahrung.
In den Videotheken kann man seit einigen Tagen die DVD „Siegburg“ ausleihen. Nach langer Prüfung durch die Film-Selbstkontrolle (FSK) hat der Film die Altersfreigabe „ab 18“ bekommen und ist nicht, was einige erhofft hatten, auf dem Index gelandet. Wenn die DVD ab 14. Januar auch zu kaufen ist, wird sie allerdings entschärft sein.
So ist eine Szene, in der das spätere Mordopfer von den drei Mitgefangenen mit einem Besenstiel vergewaltigt wird, nicht mehr zu sehen. Regisseur Boll hat seine vier Darsteller – darunter „American History“-Star Edward Furlong – in eine nachgebaute Zelle gesperrt und sie das Folterdrama nachspielen lassen – ohne Drehbuch, frei improvisiert.
Dadurch entstehen zwar manchmal durchaus sehr intensive Momente, aber meistens ist es doch unerträglich.
Wenig erfreut ist man – logischerweise – bei der Stadt Siegburg, deren Namen nun als Titel für das Brutalo-Drama steht. Bürgermeister Franz Huhn (CDU) ließ durch seinen Sprecher mitteilen: „Die Ereignisse in der JVA Siegburg und der Foltermord haben die Stadt und ihre Bürger nachhaltig erschüttert. Deshalb bedauern wir es sehr, dass dieser Film nun zu sehen ist. Er ist sicher keine Werbung für unsere Stadt. Aber rein rechtlich können wir nichts machen.“ Von der JVA Siegburg gab es am Donnerstag keinen Kommentar zu dem Film.
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