Wie Robin Hood nahm sie das Geld den Reichen und gab es den Armen. Bank-Filialleiterin Erika S. (62) plünderte dicke Sparbücher, um Kunden in Not zu helfen.
Der Schaden für die Bank: 1,1 Millionen Euro. Bald sitzt die Bonnerin wegen Untreue auf der Anklagebank.
Die Bank-Chefin, die eigenmächtig eine drastische Umverteilung von oben nach unten vornahm: Jetzt ist sie selbst arm wie eine Kirchenmaus. Ihr Verteidiger Thomas Ohm: „Sie hat es aus Mitleid gemacht und geht jetzt selbst am Bettelstab.“
Der Fall: Jahrzehntelang arbeitete Erika S. unbeanstandet in ihrer Bank im Bonner Raum. Kurz vor Weihnachten 2003 verließ sie laut Anklageschrift den Pfad der Tugend. Privatpersonen, die mit ihrem Konto dick ins Minus gerutscht waren, buchte Erika S. einfach reichlich Euro aufs Konto. Die Gelder nahm sie solventen Kunden, die gut bestückte Sparbücher in der Filiale bunkerten.
Gerichtssprecher Joachim Klages auf Anfrage: „In gut einem Jahr soll die Angeklagte Spargroschen unbeteiligter Kunden in Höhe von 7,6 Millionen Euro umgebucht haben. Eine geplante Rückbuchung gelang nur in Höhe von 6,5 Millionen. In einer Vielzahl von Fällen klappte das nicht.“
Erika S. bedachte in Not geratene Bürger ebenso wie etwa ein kleines Taxiunternehmen, das plötzlich tief in den Dispo gerutscht war. Dem Finanzamt kamen schließlich ein paar Sachen spanisch vor. 117 Fälle mit Abbuchungen von 178 bis 212.000 Euro hat die Bonner Staatsanwaltschaft nun angeklagt.
Wie geht es Bonns weiblichem Robin Hood nach der Enttarnung im Februar 2005? Verteidiger Ohm: „Frau S. ist frühverrentet. Mehrfamilienhaus und Eigenheim sind unterm Hammer. Der Schaden ist damit wiedergutgemacht.“
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