Bonn - Seit Jahren werden Millionen in Bonner Schulen gesteckt, die Stadt kämpft gegen undichte Dächer, defekte Heizungen, Asbest und andere Missstände. Doch drei Schulen fühlen sich im Stich gelassen. Sie schlagen Alarm.
Das Schimmelproblem im Friedrich-List-Berufskolleg: Seit Jahren sind sechs Containerklassen betroffen, immer wieder klagten Schüler und Lehrer über Kopfweh und Allergien. Weil die Stadt auf Beschwerden nicht reagierte, lediglich empfahl, „fleißig zu lüften“, ließ Schulleiter Hermann Hohn selbst ein Gutachten erstellen - und war entsetzt: „Dort hieß es, es gebe eine bedrohliche gesundheitsgefährdende Belastung.“
Der Direx machte die Klassen dicht, informierte die Stadt - und bekommt vom städtischen Gebäudemanagement (SGB) jetzt zehn neue Container.
Wegen Asbest und Formaldehyd sollte die Burg- und Siebengebirgsschule sogar abgerissen werden. Doch dann entschied sich das SGB zunächst lediglich für eine „Light-Sanierung“ - und brachte damit die Eltern auf die Palme. Auch in der Gesamtschule Bad Godesberg müffelt’s beträchtlich: Der neue Kautschukboden (Kosten: 100.000 Euro) dünstet fiese Lösungsmittel aus. Das kam durch Messungen eines Vaters ans Licht. Das SGB hatte nach der Verlegung nicht kontrolliert. Jetzt wird alle 30 Minuten gelüftet. So sollen sich die Dämpfe endgültig verziehen.
„Solche Zustände sind unzumutbar - doch das SGB reagiert erst, wenn Eltern Druck machen“, wettert die Leiterin des Schulausschusses Dorothee Paß-Weingartz. Die Grünen-Sprecherin schießt scharf gegen das SGB: „Ihnen fehlt es an Transparenz und Dialogfähigkeit, sie wirken überfordert.“
SGB-Chef Friedhelm Naujoks wehrt sich: „Wir nehmen jeden einzelnen Fall ernst. Aber wir haben mit Finanz- und Kapazitätsproblemen zu kämpfen, können gar nicht alles gleichzeitig angehen.“ Für zwei der Schulen gebe es langfristige Pläne: „Wenn es Geld aus dem Konjunkturpaket II. gibt, wird die Burg- und Siebengebirgsschule komplett saniert. Das Friedrich-List-Kolleg soll 2011 einen Erweiterungsbau bekommen.“
So weit, so gut - doch warum wurde der neue Boden in der Gesamtschule nicht auf Schadstoffe geprüft? „Wir haben in mehr als 50 Objekten Kautschukboden verlegt und hatten nie Probleme“, so Naujoks. „Auch wenn jetzt eine andere Firma als sonst verlegt hat, gab es für uns keinen Grund nachzumessen. Wir werden aber aus dem konkreten Fall Konsequenzen ziehen.“
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