Die Nachricht schockte: Margit und Udo B. (beide 51, Namen geändert) fesselten und ertränkten ihr Pflegekind Anna (9) in der Badewanne.
Bei vielen galt das Paar als liebevoll, die Familie als glücklich. Doch wie es hinter der Fassade aussah, weiß Jacqueline Heimüller (23). Sie kennt vor allem Margit B. – und erzählt Schockierendes.
Jacqueline wohnte bis Oktober 2009 im selben Wohnkomplex, kennt die Pflegemutter seit 21 Jahren. „Als ich vom Fall der toten Anna hörte, musste ich an Achim, ihren behinderten Sohn (26) denken“, sagt sie leise. „Ihn hat sie, soweit ich das beobachten konnte, bis zu seinem Tod 2003 wie einen Sklaven oder ein Tier gehalten.“
Wenn die 23-Jährige bei Margit war, soll Achim fast immer in seinem Zimmer eingesperrt gewesen sein. „Dort waren dann die Rollläden runter, die Glühbirne war rausgedreht, das Fenster mit einer Eisenkette gesichert“, schildert sie das Unfassbare. „Seine Notdurft musste er in einen Eimer machen. Das Zimmer stank nach Urin.“
Weggesperrt – den Eindruck haben jetzt viele auch von Anna. Nachbarn kannten die Kleine kaum. Dabei lebte sie seit zwei Jahren in der Pflegefamilie. Selbst Dart-Freunde von Margit und Udo B. wussten nichts von der Existenz einer Pflegetochter.
Musste Anna ein Martyrium durchleben wie offenbar Achim? Das Paar (sitzt in U-Haft) gestand bereits, das Mädchen mit Klebeband gefesselt zu haben, wenn es beim Essen oder Baden „bockte“.
Achims Leben war nach den Schilderungen von Jacqueline Heimüller geprägt von Gewalt, Missbrauch und Freiheitsberaubung. „Als ich Schülerin war, bat mich Margit, Achim Müsli hinzustellen. Er darf nicht raus, wies sie mich an – so, als würde sie von einem wilden Tier sprechen“, erinnert sich die Bad Honneferin. „Als ich ins Zimmer ging, stand Achim ängstlich am Fenster. Er tat mir so leid…“
Laut Jacqueline beschimpfte Margit B. ihren behinderten Sohn oft als „Vieh“, sperrte ihn sogar an Weihnachten ein und hat ihn geschlagen, „gewampscht“, wie sie es nannte. Auch soll die übergewichtige Mutter Achim Essen entzogen habe. Während sie selbst meist faul auf dem Sofa gelegen habe. „Sie war die Herrin, hat sich auch von ihrem zweiten Sohn und Ehemann Udo bedienen lassen“, so die 23-Jährige. „Ich hatte Angst vor ihr.“
Udo, den Margit 2005 heiratete, beschreibt Jacqueline als „ruhig“: „Er hat alles mit sich machen lassen.“
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