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Empfehlen | Drucken | Kontakt 02.02.2013 - 15:50 Uhr

Nach der Pleite: So kämpft eine Bonner Schlecker-Frau um einen neuen Job

Von R. KOHLENBERG
 Anna Saß  macht gerade ein Praktikum bei einem Steuerberater.
Anna Saß macht gerade ein Praktikum bei einem Steuerberater.
Foto: Erhard Paul
Bonn –  

Für viele war es ein schwerer Schicksalsschlag. Am 23. Januar 2012 meldete Schlecker Insolvenz an, rund 25000 Menschen wurden entlassen. Auch Anna Saß (49) verlor nach 15 Jahren ihren Job in der Poppelsdorfer Filiale. Im EXPRESS erinnert sie sich – und blickt nach vorn.

"Es war schrecklich, ich hatte Urlaub und habe es aus dem Fernsehen erfahren“, erinnert sich die zweifache Mutter. Sie fragte bei Schlecker nach, doch viele Kollegen waren selbst überrascht. Im März bekam sie die Nachricht, dass sie auf der Kündigungsliste steht. Ende Juni 2012 war Schluss für die gebürtige Polin.

15 Jahre hatte sie in den Filialen am Brüser Berg, in Kessenich und Poppelsdorf gearbeitet. 2001 stieg sie zur Filialleiterin auf, verdiente 2500 Euro brutto und freute sich über 36 Urlaubstage. Zusammen mit dem Geld, dass ihr Mann bei einer Post-Tochter verdient, konnten sie und ihre Familie gut leben. „Es war wirklich schön, die Leute waren nett. Es war wie in einem Tante-Emma-Laden“, erzählt Saß.

Doch es war auch harte Arbeit: Bestellungen aufgeben, Büroarbeiten, Regale auffüllen, putzen. Oft malochte sie zwölf Stunden, achteinhalb wurden bezahlt. „Es war körperlich sehr anstrengend, mir war klar, dass ich das nicht mein ganzes Leben machen kann.“

Die Schlecker-Pleite zwang sie, sich neu zu orientieren. „Ich habe dann in der Zeitung von der Fortbildung zur Steuerfachangestellten gelesen.“ Schon Anfang Juni – zwei Wochen bevor sie ihren Job verlor – begann sie ihre Weiterbildung in Duisdorf. Sie schaffte die Aufnahmeprüfung und drückt seitdem die Schulbank.

Zurzeit macht sie ein Praktikum in der Kanzlei Bölke in Alfter-Witterschlick. „Ich habe in Polen Wirtschaft studiert, von daher ist mir das nicht so fremd. Aber in meinem Alter muss man Dinge oft zwei- oder dreimal lernen“, so die 49-Jährige.

Doch sie hat den Mut noch lange nicht verloren: „Die Hoffnung ist da, auch wenn es schwierig wird, eine Stelle zu finden.“

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