Empfehlen | Drucken | Kontakt22.06.2009 - 00:00 Uhr

Jugendgang: Turnhallen-Zündler (15) knapp am Knast vorbei

Von DIETMAR BICKMANN
Demonstration gegen Jugendgewalt vor der abgebrannten Halle
Demonstration gegen Jugendgewalt vor der abgebrannten Halle
Foto: Erhard Paul

Euskirchen/Meckenheim - Was für ein Früchtchen! Mit 15 fackelte Mohamed F. eine Meckenheimer Turnhalle ab. Wegen nicht weniger als neun Anklagen saß der Intensivtäter jetzt auf der Anklagebank.

Der schmächtige Junge im weißen Hemd und schwarzer Weste: Das soll der gefährliche Straftäter sein, der mit einer Gang ganz Meckenheim in Angst und Schrecken versetzte? Raub, Diebstahl, Körperverletzung. Neun Straftaten sollen auf das Konto des Schülers gehen. Der traurige Höhepunkt: Brandstiftung in einer Turnhalle.

Mohamed F. (Name geändert) steht in Verdacht, Angehöriger einer Meckenheimer Jugendgang zu sein. Auf Nachfrage von Richter Fabian Krapoth bestritt der heute 16-Jährige das. Aber einige mutmaßliche Gangmitglieder waren dabei, als am 1. November 2008 in der Turnhalle eingebrochen wurde. F. will telefonisch in die Halle bestellt worden sein, weil die jugendlichen Einbrecher in der Halle mit ihm Fußball spielen wollten. Der Schüler: „Wie spielten vier gegen Vier, sprangen auch Trampolin.“

Das muss irgendwann langweilig geworden sein - die Jugendlichen gingen über zu Vandalismus. Mohamed F. „Wir sprühten die Wände mit Schaum voll, hielten Feuer an die Spraydose. Kügelchen mit brennendem Schaum setzten eine Turnmatte in Brand.“ Allerdings soll laut Anklage F. treibende Kraft gewesen sein, sogar ein Löschen der Matte verhindert haben. Alle acht Jugendlichen flüchteten schnell nach Hause. Die Halle brannte ab (2,5 Mio Euro Schaden).

Zwei Wochen später gab es in Meckenheim eine Demonstration gegen Jugendgewalt. Mohamed F. wollte mitgehen, sozusagen gegen sich selbst demonstrieren. F.: „Aber ein Lehrer schloss mich und einen Kumpel in einem Zimmer ein.“

Das Jugendschöffengericht verurteilte Mohamed F. zu 20 Monaten Knast auf Bewährung. Er muss 150 Sozialstunden machen, seine DNA wird gespeichert. Richter Krapoth: „Wenn er so weitermacht, wird es übel.“

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