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Im Schatten der Raffinerie: Wesselinger sauer: „Shell will uns für dumm verkaufen“

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Ex-Raffinerie-Mitarbeiter Manfred F. ist sauer. Er hat die Shell-Anlage im Blickfeld und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Konzern.
Ex-Raffinerie-Mitarbeiter Manfred F. ist sauer. Er hat die Shell-Anlage im Blickfeld und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Konzern.
 Foto: Kuffner
Wesseling –  

Der Kerosinsee von Shell – seit einem Jahr liegt der Flugzeugtreibstoff (über eine Million Liter!) wie ein Schmierfilm unterirdisch auf dem Grundwasser von Wesseling. EXPRESS hat sich umgeschaut: Wie leben die Anwohner im Schatten der Rheinland-Raffinerie? Ein Lagebericht.

Wenn ich schon längst in der Kiste liege, wird mir das Kerosin noch vom Kinn tropfen.“ Manfred F. ist sauer. Der 69-Jährige blickt auf die Raffinerie und schüttelt den Kopf: „In fünf Jahren wollen die das alles aus dem Boden geholt haben? Das zu behaupten ist einfach nur frech!“

F. hat das Werksgelände von seinem Haus aus im Blick. Und er ist vom Fach: 44 Jahre war er als Techniker dort beschäftigt. Er verlegte Leitungsrohre, allerdings oberirdisch. F.: „Erst in zehn bis fünfzehn Jahren ist hier das letzte Kerosin aus der Erde gepumpt – früher garantiert nicht! Shell hat viel zu spät reagiert.“

Die große Angst vor Umwelt- oder gar Gesundheitsschäden herrscht in Wesseling trotzdem nicht. Der Ölkonzern ist laut F. besonders stark darin, die Anwohner ruhigzustellen: „Da werden nach Monaten ein paar Brunnen zum Abpumpen gebaut und schöne Info-Broschüren verteilt, damit es so aussieht, als ob da was getan wird.“

Er kennt jeden im Ort: Schreibwarenladen-Besitzer Willi B. Er sagt: „Über Shell beschwert sich kaum noch einer öffentlich.“
Er kennt jeden im Ort: Schreibwarenladen-Besitzer Willi B. Er sagt: „Über Shell beschwert sich kaum noch einer öffentlich.“
 Foto: Kuffner

Der Schreibwarenladen-Besitzer Willi B. (58) aus dem Ortsteil Urfeld bestätigt das. Er kennt jeden im Ort: „Egal, mit wem man ins Gespräch kommt - die meisten winken nur noch ab.“

Bedenken wegen des Kerosins im Grundwasser? Fehlanzeige. Das ganze Dorf habe schon viel mit Shell erlebt.

Außerdem habe fast jeder Raffinerie-Mitarbeiter in der Familie. „Deshalb leben wir hier im »Dorf der Glückseligen«, wo sich kaum einer öffentlich beschwert“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Shell-Sprecher Constantin Graf von Hoensbroech zeigt: Das Kerosin schwimmt auf der Wasseroberfläche.
Shell-Sprecher Constantin Graf von Hoensbroech zeigt: Das Kerosin schwimmt auf der Wasseroberfläche.
 Foto: Erhard Paul

Das gleiche Bild bei der EXPRESS-Spurensuche an der Urfelder Grundschule. Auch wenn die Schlote der Shell in Sichtweite stehen – Sorgen um das Wohl der Kinder machen sich die Eltern hier kaum. „Industrie gehört halt dazu“, sagen sie. Andere Konzerne würden im Notfall auch nicht besser informieren. Und ändern könne man ja sowieso nichts.

Einzig Anwohnerin Heike H. (40) gibt zu: „Mein Sohn hat sehr oft Kopfschmerzen. Wir verdrängen das Thema, haben aber schon über einen Umzug nachgedacht.“

Fotografieren lassen wollte auch sie sich aber dann doch lieber nicht...

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