Den 23. März 2012 wird Dr. Heinz H. (68, Name geändert) wohl nie vergessen. Es ist der Tag, an dem dem Nervenarzt auch all seine berufliche Routine nichts nützt. Der Tag, der H. beinahe das Leben kostet.
Als der Psycho-Doc um 9.30 Uhr an der Tür eines Mehrfamilienhauses in der Arndtstraße klingelt, ahnt er nichts von dem Horror, der sich gleich im Treppenhaus abspielen wird. Der 68-Jährige steigt die Treppe hinauf, trifft an der Haustür im 2. Stock auf Dr. Roland B. (45, Chemiker). Ihn soll H. psychologisch begutachten, wie er es mit seinen Patienten seit über 15 Jahren macht. Doch dieser 23. März ist anders.
B. packt ein 50 cm langes Stuhlbein, das griffbereit neben der Tür hängt. „Der erste Schlag kam überraschend. Ich konnte noch die Aktentasche hochreißen, so dass er mein Gesicht nur streifte“, berichtet H. im Zeugenstand zunächst überraschend ruhig.
Doch je länger er von den schrecklichen Minuten in dem Treppenhaus erzählt, umso öfter seufzt er, wird seine Stimme brüchig: „Ich bin die Treppe hinunter, immer wieder trafen mich Schläge. Das Blut lief mir über die Kleidung, ich rief um Hilfe. Ich hatte Todesangst.“
15 Schläge muss er einstecken, erleidet ein Schädelhirntrauma und Platzwunden. Als der 68-Jährige im Erdgeschoss ankommt, hören die Schläge auf: „Ich war heilfroh, die Eingangstür zu erreichen.“
Roland B. rennt auf seinen Balkon, lässt sich an einem Seil aus dem zweiten Stock herab. Der Brutalo flüchtet, wird später in die LVR-Klinik gebracht. Warum er den Gutachter fast totschlug? „Ich fürchtete, durch sein Gutachten unter Betreuung gestellt zu werden und meine Selbstbestimmung zu verlieren.“
Ob seine dauerhafte Unterbringung angeordnet wird (B. leidet seit mehr als 15 Jahren an schizophrener Psychose), entscheidet das Gericht voraussichtlich am Freitag.
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