Bei der Post in Godesberg und Wachtberg türmten sich die Kundenbeschwerden: Immer wieder waren Briefe weggekommen. Der Verdacht fiel auf eine Frau (58), die für eine Spedition im Auftrag der Post Briefkästen leerte. Doch sie hatte die Rechnung ohne die Post gemacht. Denn ihre Sicherheitsabteilung trickste die Frau aus.
Auf der Anklagebank saß Otti R. (Name geändert) jetzt nicht alleine. Vor Strafrichter Patrick Buthe standen auch der Ehemann (64) und der Sohn (24). Vorwurf: Unterschlagung in zwei Fällen. Schon am 5. Juni 2012 sollen mindestens fünf Briefe mit Grußkarten geklaut worden sein. Bewiesen werden konnte das aber nicht.
Doch am 12. Juni gingen die Briefdiebe der Post ins Netz. Liebevoll hatten die Security-Leute Briefe „An das Hochzeitspaar“ oder „Das Geburtstagskind“ mit Stickern und aufgemalten Sprüchen („Endlich 18!“) versehen. Anschließend legten sie sich an der Postfiliale Koblenzer Straße auf die Lauer, beobachteten, wie Ehepaar R. (der Sohn war an dem Tag nicht dabei) die Postsäcke durchwühlte.
Drei präparierte Briefe mit insgesamt fünf markierten Geldscheinen (zusammen 65 Euro) waren bei der Ankunft in der Postfiliale auch tatsächlich fort - und die Täter überführt. Denn an den Händen des Paares fanden sich deutliche Spuren des Pulvers, mit dem die Postmitarbeiter die Geldscheine präpariert n hatten. Die Security-Leute riefen die Polizei.
Bei der Durchsuchung der Wohnung der diebischen Familie wurden zwar keine verschwundenen Briefe gefunden. Trotzdem hatte Richter Buthe aufgrund der Pulverspuren keinen Zweifel an der Schuld des Paares. Otti R. und ihr Mann gestanden dann auch, die drei Briefe geklaut zu haben. Wie viele Umschläge sie insgesamt stahlen, ist unklar.
Urteil: 600 Euro Geldstrafe für den Ehemann, Freispruch für den Sohn, vier Monate auf Bewährung für Otti R. Sie ist wegen Computerbetrugs und Steuerhinterziehung vorbestraft. Erst zwei Monate vor dem Briefklau war die letzte Bewährungszeit abgelaufen…
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