Wenn hartgesottene Kerle Kekse backen und brutale Straftäter liebevoll den Baum schmücken – dann ist im Knast Weihnachten!
In der JVA Rheinbach, in der auch der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner (55) und Daniel R. (36, „Satanist von Witten“) einsitzen, duftet es derzeit nach Zimtsternen und Tannengrün. Besinnliche Weihnachtszeit hinter Gitterstäben.
Auf fast allen Abteilungen stehen Weihnachtsbäume, geschmückt von den Gefangenen. „Weihnachten ist für sie immer noch ein ganz besonderer Tag“, erklärt Annette Emschermann (59), stellvertretene Anstaltsleiterin.
Daher ist gerade jetzt der Besucherraum immer rappelvoll. „Viele legen in dieser Zeit besonderen Wert auf Besuch – sie werden sentimental“, so die 59-Jährige. Die Festtage nicht bei seinen Lieben feiern zu können, das drückt bei so manchem Knacki aufs Gemüt.
Ob in den Betrieben wie der Knast-Schlosserei oder den offenen Abteilungen: Überall finden kleine festliche Feiern statt. „Dabei geben sie sich viel Mühe – auch beim Tischdecken“, so die Vize-JVA-Chefin. Tischdecken kenne man ja sonst nicht so im Gefängnis, erklärt sie. Aber jetzt würden Papierdecken mit Weihnachtsmotiven aufgelegt werden. Dazu backen einige Knackis in kleinen Küchen selbst Kekse.
„Auch im Gefängnis sind diese Tage etwas Besonderes. Viele werden wieder Kind…“, erklärt Annette Emschermann.
Am zweiten Weihnachtstag findet im Rheinbacher Gefängnis ein Familiengottesdienst statt. Da können auch die Angehörigen kommen, wenn es keine Sicherheitsbedenken gibt. „Wir haben einen richtig schönen, großen Kirchenraum“, schildert die 59-Jährige. Nach jahrelangen Sanierungsarbeiten wurde der im Sommer eingeweiht.
Und die Küche gibt sich an den festlichen Tagen besonders Mühe. Heiligabend gibt es Putenfrikadellen mit Kartoffelsalat – das Lieblingsessen vieler Häftlinge. Am ersten Weihnachtstag zaubert die Knastküche dann Sauerbraten mit Klößen und Apfelrotkohl, verrät die Vize-Chefin, am zweiten wird Jägerschnitzel serviert.
Die Weihnachtstage. Nicht für alle sind sie fröhlich und besinnlich. Annette Emschermann: „Wir sind an diesen Tagen besonders für die Insassen da – vor allem für die, die sich einsam fühlen.“
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