Bonn/Bornheim - Er scheint ein unbelehrbarer Alt-Nazi zu sein. Frührentner Heinrich D. ist bereits wegen Volksverhetzung vorbestraft.
Trotzdem schmierte der 64-Jährige jetzt SS-Runen auf den Gehweg - mitten auf den Gedenkstein (Stolperstein) für deportierte Juden. Das ließ die Bonner Justiz nicht durchgehen.
Eine haarsträubende Geschichte wollte Heinrich D. dem Gericht zunächst auftischen. Er sei unterwegs zu seinem Metzger nach Walberberg gewesen, um seine Wurst zu kaufen.
Da habe er einen Mann beobachtet, der auf dem Stolperstein hin- und herwischte. D.: „Ich dachte, was ist das denn für eine Schweinerei? So SS-Dingens. Ich habe es mit dem Schlüssel wegkratzen wollen.“
Eine glatte Lüge. Denn statt „Schlüssel“ sagte D. wild gestikulierend zuerst „Stift.“ Ein fataler Versprecher - hatte der Schmierfink die SS-Zeichen doch tatsächlich mit einem Edding auf den Stein gemalt.
Und: Heinrich D. ist wegen ähnlicher Delikte vorbestraft. Vor neun Jahren kaufte er eine Fahrkarte mit einem mit SS-Runen verzierten Geldschein, platzierte den Aufkleber „Türken raus“ auf ein Parkverbotsschild (3.000 Euro Geldstrafe).
Drei Jahre später verteilte der Frührentner im Supermarkt Flugblätter mit umgetextetem Deutschland-Lied. Inhalt: übel ausländerfeindliche Strophen (6 Monate auf Bewährung).
Das Urteil von Richter André Stollenwerk: sechs Monate auf Bewährung. D. war vor dem Spruch eingebrochen und hatte die Tat gestanden: „Ich schäme mich so sehr.“
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