Bonn - In einer Disziplin sind wir Bonner schon Europameister: im Nicht-Blinken. Dabei könnten 67.000 Unfälle in Deutschland durch eine kurze Fingerbewegung verhindert werden.
Seine typischen Reviere sind Kreisel, Autobahnauffahrten, abknickende Vorfahrtsstraßen: Der Blinkmuffel erobert immer größere Räume im Straßenverkehr. Und scheinbar fühlt er sich in Bonn am wohlsten.
Nur 52 Prozent der Bonner Autofahrer blinkt bzw. blinkt richtig. Die Blinkmuffel-Quote liegt satte 15 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Und der ist Spitze im europäischen Vergleich. Zu dieser Erkenntnis kommt der Auto Club Europa (ACE) in einer aktuellen Untersuchung.
Ein Grund für das schlechte Abschneiden: die Bonner Kreisverkehre, die zum Nicht-Blinken einzuladen scheinen. „Viele Fahrer machen hier alles falsch. Sie blinken beim Reinfahren, was verboten ist. Beim Rausfahren machen sie dagegen gar nichts“, so Stefan Rakowski, ACE-Projektleiter NRW. Mit neuem Logo, eine griesgrämigen Monster, dem „gemeinen Blinkmuffel“, sollen die Fahrer aufgerüttelt werden.
Der Brennpunkt schlechthin: der Kreisel am Probsthof, in der Nähe des Straßenstrichs. Hier vergaßen gleich 80 Prozent der Verkehrsteilnehmer, den Blinker zu setzen. „Wahrscheinlich wollten die Fahrer den Ort so schnell wie möglich verlassen“, so Stefan Rakowski zweideutig.
Dass die Blink-Verweigerer eine so starke Fraktion stellen, liegt auch an der schlaffen Bestrafung durch die Polizei. Eigentlich sind zehn Euro fällig, wenn man erwischt wird. Doch eine Bestrafung ist die Ausnahme. „Unser Hauptaugenmerk gilt anderen Verstößen, durch die eher Unfälle passieren“, so Polizeisprecher Christian Gräßler.
Peinlich für die Ordnungshüter, dass auch Streifenwagen-Fahrer bei der Studie als Blinkmuffel geoutet wurden. Gräßler dazu: „Die Kollegen werden natürlich angehalten, sich vorbildlich zu verhalten.“
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