Empfehlen | Drucken | Kontakt10.11.2011 - 07:49 Uhr

Endgültig entschieden: Aus für die Bonner RhEINKULTUR

Von TANJA HEUSER
Jährlich kamen rund 160.000 Besucher aus Deutschland und dem Ausland zur Bonner „RhEINKULTUR“.
Jährlich kamen rund 160.000 Besucher aus Deutschland und dem Ausland zur Bonner „RhEINKULTUR“.
Foto: Volker Lannert
Bonn –  

Der Schock stand allen ins Gesicht geschrieben, als Holger Jan Schmidt um 10.08 Uhr im Parkrestaurant RheinAue verkündete: „Die Gesellschafter der RhEINKULTUR haben entschieden, dass es 2012 keine 30. Rheinkultur geben wird. Eine Zukunft für das Festival darüber hinaus ist ebenfalls ungewiss.“

Aus, Schluss, vorbei: RhEINKULTUR – Deutschlands größtes kostenloses Open-Air-Festival gibt es im nächsten Jahr nicht - und danach stehen viele Fragezeichen. Auf RhHEINKULTUR haben in den letzten Jahrzehnten Größen wie „Fanta 4“, Farin Urlaub, „Culcha Candela“, Juliette Lewis, Max Herre, „Die Popolskies“, Jennifer Rostock oder die „Sportfreunde Stiller“ gerockt.

Bei der 29. RhEINKULTUR gab es schlimme Ausschreitungen an der Hip-Hop-Bühne.
Bei der 29. RhEINKULTUR gab es schlimme Ausschreitungen an der Hip-Hop-Bühne.
Foto: Stellmacher

Dass es oft nicht gut aussah für die Zukunft des Festivals, das war allen klar. Immer wieder stand der 80.000-Euro-Zuschuss der Stadt auf der Kippe. Über Spenden und den Verkauf von „Retter-T-Shirts“ versuchten die Veranstalter, das Minus in der Kasse zu stopfen.

Doch damit ist es nun vorbei: „Es ist so, dass die Anforderungen, die an ein solches Event in organisatorischer, logistischer und vor allem personeller und finanzieller Hinsicht gestellt werden, im Rahmen des RhEINKULTUR Konzeptes nicht mehr erfüllbar sind“, so Schmidt.

Dann die Keule gegen die Stadt: Ein wichtiger Grund für das Aus sei auch, wie man mit der RhHEINKULTUR umgehe: „Man präsentiert sich zwar gerne mit der Veranstaltung und gibt viele positive Bekundungen, aber konkrete Handlungen und Verbesserungen sind rar gesät. Auch die Höhe der Zuschüsse spricht Bände in Bezug auf die Wertschätzung.“

Aber auch Randale und Suff wollen die Macher des Festivals nicht mehr hinnehmen: „Der Anstieg an alkoholisierten und aggressiven Jugendlichen und deren Verhalten bei Anreise und auf dem Gelände stehen im krassen Gegensatz zu unserer Motivation und der Grundidee des Festivals“, so Mitgeschäftsführerin Sabine Funk.

Stunden, nachdem die Bombe geplatzt war, die Reaktion von OB Jürgen Nimptsch: „Ich würde es außerordentlich bedauern, wenn es die RhHEINKULTUR in Bonn nicht mehr gebe.“ Er – aber auch die meisten Fraktionen wollen jetzt nach einer Lösung suchen, um das Festival doch noch zu retten. Schmidt: „Wenn sich jetzt damit beschäftigt wird, ist das gut – aber vielleicht auch ein bisschen spät.“

Wo spielt in Bonn noch die Musik?

Da dieses Jahr auch den Museumsmeilen-Konzerten das Aus beschert wurde, überlegen Bonns Konzertbetreiber-Kollektiv „KultEvent“ und Veranstalter „Headline Concerts“, wie die Bonner auch weiterhin Konzerte genießen können.

Die Idee: Konzerte in der Rheinaue und ein sommerliches Zeltfestival. Als Standorte sind zurzeit der rechtsrheinische Teil der Rheinaue gegenüber der Deutschen Telekom und ein Standort zwischen der Autobahn 59 und der „Integrierten Gesamtschule“ in Beuel im Gespräch.

Zwischen Mai und September könnten hier, wie gewohnt, Open-Air-Konzerte steigen, und ein dreiwöchiges Zeltfestival mit Rock, Theater, Lesungen, Comedy und Zirkus würde die Saison abschließen. Aber die Zeit drängt: „Die Verwaltung ist engagiert, aber es könnte schneller gehen. Die Künstler warten nicht“, so Martin Nötzel (Foto) von KultEvent.

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