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Dieselverbot die letzte Rettung?: Abgase nehmen Bonn die Luft zum Atmen

Remmel

Die Grünen Rolf Beu und Doro Schmitz (v. l.) mit Umweltminister Johannes Remmel an der vielbefahrenen Reuterstraße.

Foto:

Schwaiger

Bonn - Schon Ende 2015 wurde Bonn von der Deutschen Umwelthilfe verklagt: Die Luft ist verpestet, jährlich werden EU-weite Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten. Auch im letzten Jahr.

Besonders schlimm ist die Luft an Hauptverkehrsstraßen in Ballungsräumen. So wie an der Reuterstraße/Ecke Bonner Talweg. Hier machte sich NRW-Umweltminister Johannes Remmel am Freitag selbst ein Bild von der aktuellen Situation. EXPRESS war dabei.

Grenzwerte überschritten

An der Reuterstraße herrscht dichter Verkehr. Brummis, Privatautos, Busse rasen an einem vorbei. Hier ist die Luft besonders schlecht. Der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid (NO2) lag an dieser Stelle 2016 bei 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Wert  zwar um ein Mikrogramm reduziert, die Grenze wurde dennoch überschritten. EU-weit gelten Grenzwerte für NO2 im Stadtgebiet. Sie betragen 40 Mikrogramm/m³.

Deutschland von EU verklagt

„Es ist ein Mehrfach-Dilemma“, betont Umweltminister Remmel. Einerseits wurde Deutschland im Juni 2015  wegen anhaltender Überschreitung der Grenzwerte von der EU verklagt.

Zudem hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Ende 2015 gegen deutsche Städte geklagt, darunter auch Bonn.  Zum Verfahren gegen die Bundesstadt sagte DUH-Sprecherin Münster: „Die Klage gegen die zuständige Kölner Bezirksregierung läuft noch. Es gibt noch keinen Termin für die öffentliche Verhandlung.“

Bald generelles Diesel-Verbot?

In Düsseldorf hat das Gericht der DUH recht gegeben: Fahrverbote für Dieselfahrzeuge müssen her. Das Urteil wird nun vor dem Bundesverwaltungsgericht geprüft. Danach könnten Diesel-Verbote in allen Städten mit zu hohen NO2-Werten kommen.

Auch wenn Diesel-Fahrzeuge als Hauptursache für die gesundheitsgefährdeten Abgase gelten, sieht Remmel im Verbot nicht die Lösung. Das Problem müsse kollektiv gelöst werden, sagt er.

Kunden dürfen Dilemma nicht ausbaden

Heißt: Die Bundesregierung muss endlich handeln und Dieselautos als illegal erklären. Ein Austausch- und Nachrüstungsprogramm soll bereits gekaufte Fahrzeuge wieder fit machen.

„Gleichzeitig kann es nicht sein, dass Kunden für die Fehler der Autoindustrie zahlen.“   Wo Nachrüstung nicht mehr ginge, sollten Diesel-Fahrer Anspruch auf Ersatz haben.

Blaue Plakette auf Bundesebene?

Auch für Bonn werden Verbotsschilder für Diesel-Fahrzeuge und die Einführung der blauen Plakette diskutiert. Auf Bundesebene gibt es für die Plakette keine Mehrheit.

MdL Rolf Beu fasst zusammen: „Die Zahl der Auto-Pendler, die  nach Bonn kommen, muss reduziert werden.“ Als kurzfristige Lösung schlägt der Grünen-Politiker mehr Anwohnerparkplätze vor. Kostenloses Parken in der Stadt sei fatal.

Ausgleich könnte ein von den Grünen vorgeschlagenes Ticket  sein, mit dem Bürger für nur zwei Euro am Tag durch NRW fahren können. Das Jahresabo läge bei 730 Euro.