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Dialekt stirbt aus: Wer bubbelt höck noch Bönnsch?

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Hier wird Bönnsch gebubbelt: Werner Piel (52) aus Duisdorf, Waldemar Tischler (48) aus Niederkassel, Peter Schmidt-Amberg (60) aus Ippendorf und Holger Haagmann (57) aus der Weststadt in ihrer Stammkneipe.
Hier wird Bönnsch gebubbelt: Werner Piel (52) aus Duisdorf, Waldemar Tischler (48) aus Niederkassel, Peter Schmidt-Amberg (60) aus Ippendorf und Holger Haagmann (57) aus der Weststadt in ihrer Stammkneipe.
 Foto: Erhard Paul
Bonn –  

Mir bubbele Bönnsch – doch wie lang noch? Stirbt unsere „Mottesproch“ aus? Mittwoch ist der Internationale Tag der Muttersprache – EXPRESS hörte sich bei den Bonnern mal um.

Kurz nach 14 Uhr in der Gaststätte „Zum Gequetschten“: Der Bonner Stammtisch „De Drecksau“ sitzt an der Theke. „Dä Schwaadlappe, dä es doch vill ze jroß“. „Jo, do bes de platt“.

Wer nicht aus Bonn kommt, hat Mühe dem Gespräch zu folgen. Werner, Waldemar, Holger und Peter treffen sich regelmäßig in der Kneipe, und dann wird Bönnsch gebubbelt.

Und das ist längst nicht mehr selbstverständlich. „In der Stadt wird ja kaum noch Dialekt gesprochen “, erklärt das Bonner Ur-Gestein Herbert Weffer (85). Schon 35 Bücher hat er über seine Heimat und die hiesige Sprache verfasst.

Er veranstaltet regelmäßig Bönnsch-Abende: „Die sind immer proppenvoll. Allerdings ist da kaum jemand unter 40.“ Das Problem sei, dass die meisten Familien kaum noch Dialekt sprechen würden. „Junge Leute können es nicht mehr.“

Bönnsch ist auf dem Rückzug. Der Landesverband Rheinland (LVR) hat Studien zu dem Thema durchgeführt. Das traurige Ergebnis: „Wenn man sich auf dem Fußballplatz oder auf dem Schulhof mal umhört, stellt man fest, dass es abnimmt“, erklärt Georg Cornelissen (58) vom LVR.

Der Fußballplatz sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Sprache entwickelt habe. „Früher, da hat man sich auf dem Feld auf Bönnsch beleidigt, heute hört man da fast nur noch Hochdeutsch“, so der Bonn-Experte. Ein Grund für den Niedergang: In Bonn und Umgebung wohnen viele Zugezogene. „In den letzten 30 bis 40 Jahren haben die kein Bönnsch mehr gelernt.“

Aus diesem Grund hatte der Bonner Bürger Bund bereits im Sommer 2012 angeregt, eine Sprachakademie zu gründen. „Leider wurde unser Antrag von den anderen Fraktionen abgelehnt“, erklärt Fraktionsvorsitzender Bernhard Wimmer (76). Problem: kein Geld im Stadtsäckel.

Was die Politik nicht schafft, dass stellen die Bonner selbst auf die Beine. Nicht nur Herbert Weffer gibt seine Muttersprache weiter, auch der Festausschuss Bonner Karneval bietet Unterricht für Erwachsene. Am 27. Mai geht es wieder los. Und auf www.lvr.de bietet der LVR Hörproben auf Bönnsch an. Ganz nach Weffers Lebensmotto: „Wämme well, kamme vell“ = wenn man will, kann man viel.

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