Deutsch als Fremdsprache – auf immer mehr Bonner Kinder trifft das zu. Rund 3000 (26,9 Prozent) der in Kitas betreuten Pänz sprechen zu Hause vorrangig kein Deutsch! Doch zum Problem wird das erst, wenn sie auch die Muttersprache nicht richtig beherrschen.
Im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen steht Bonn in der Untersuchung des Statistischen Landesamtes noch relativ gut da. In Köln sprechen 31,9 Prozent, in Duisburg sogar 38,7 Prozent der Kindergarten-Pänz daheim kaum Deutsch, im Rhein-Sieg-Kreis sind es aber „nur“ 15,4 Prozent.
Ist das für die Kinder automatisch ein Handicap? Zum Glück nicht. Experten sind sich einig, dass das Problem nicht Mehrsprachigkeit heißt, sondern Nullsprachigkeit.
Bedeutet: Kinder, die die Muttersprache der Eltern gut beherrschen, tun sich leichter, vernünftig Deutsch zu lernen als solche, mit denen die Eltern schlechtes Deutsch reden.
Das zeigt auch die Praxis. Eine Bonner Grundschullehrerin: „Die meisten Kinder sprechen in ihren Familien sowohl die Muttersprache als auch Deutsch. Oft können sie dann beide Sprachen nicht richtig“, so die Pädagogin, an deren Schule jedes zweite Kind über Migrationshintergrund verfügt. Aus Angst vor Problemen in der Zusammenarbeit mit den Eltern möchte sie anonym bleiben.
In den vergangenen Jahren ist der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, die zu Hause kaum Deutsch sprechen, gestiegen. Meist falle es den Kindern leichter, Deutsch zu lernen, wenn sie daheim nur die Muttersprache sprechen, dort aber gute Sprachkenntnisse haben, sagt die Lehrerin: „Sie haben bei durchschnittlicher Intelligenz gute Chancen, auch die deutsche Sprache richtig zu erlernen.“
Auch Bonns Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit fordert: „Die Sprache, die zu Hause gesprochen wird, muss richtig gesprochen werden. Dann wachsen Kinder, die daheim kein Deutsch sprechen, vernünftig bilingual auf.“
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