Bonn - Endzeit-Stimmung am Skandal-Bau: Handwerker hasten hin und her, tragen eilig Leitern, Kabeltrommeln und Werkzeug zusammen, verladen alles in Lieferwagen. Sie flüchten vom WCCB-Gelände.
„Die meisten sind schon weg.“ Elektriker Sebastian Dostal fasst die „Nix-wie-weg“-Stimmung auf Bonns größter Baustelle zusammen.
Tatsächlich: Vom emsigen Treiben der letzten Monate rund ums World Conference Center ist nichts mehr zu sehen. Von fast 400 Arbeitern waren am Donnerstag gerade noch ein paar Dutzend da. „Der Rest hat sich in den letzten drei Tagen aus dem Staub gemacht“, erklärt uns ein Bonner Gerüstbauer.
Er ist einer von wenigen Handwerkern aus der Region, die am WCCB mitgewerkelt haben. Die meisten Firmen stammen aus den neuen Bundesländern.
„Wir sind bald wieder zu Hause“, ruft uns uns ein Arbeiter auf Sächsisch zu. Seine Kolonne hält erst eine Krisensitzung vor dem Kongress-Neubau ab. Danach sitzt der Trupp unschlüssig unter einer Plane. Niemand scheint zu wissen, wie es weitergeht.
Die größte Sorge der Unternehmer ist, dass sie bei einer Pleite der WCCB-Investoren nicht mehr an ihre Maschinen und Werkzeuge kommen, die Baustelle versiegelt wird. „Deshalb holen die hier jeden Pinsel und jede Leiter raus“, erklärt der Gerüstbauer.
Plötzlich tritt Markus Burgmeier auf die Straße, der Direktor des World Conference Center-Hotels. Stolz war er mit dem EXPRESS noch im Juni auf die schicke Dachterrasse des Hotels gestiegen. Im Januar hatte der Hotel-Chef uns ein Musterzimmer gezeigt.
Die allgemeine Panik hat auch ihn erfasst. Er nimmt Reißaus, ist nicht für uns zu sprechen. Nervös telefonierend verschwindet er in der Heussallee.
Kommt der Baustopp, wird es kritisch. Der Winter naht. Auf der Geister-Baustelle, in die aktuell noch 5 Millionen Euro investiert werden müssen, drohen immense Schäden durch Frost.Krisensitzung vorm Dixi-Klo. Eine Gruppe ostdeutscher Bauarbeiter diskutiert, wie es weitergehen soll.
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