Am Donnerstag das Aus für das Festspielhaus, Freitag der neue Kultur-Schock: Eine „Giftliste“ aus dem Kulturdezernat, die radikale Kürzungen vorsieht, wurde bekannt. Theater drohen zu sterben, Museen müssten dichtmachen, Top-Veranstaltungen wie „Rheinkultur“ geraten in akute Gefahr. Die Liste umfasst 48 Einzelposten, fast alle werden rasiert. Mit Ausnahme des Beethovenfestes, das bekommt 300.000 Euro (+25 %) dazu.
Theaterleiter, Veranstalter und Museums-Chefs sind auf dem Baum. Einige, wie zum Beispiel Marianne Pitzen vom Frauenmuseum oder Horst Johanning vom Contra-Kreis-Theater, haben erst durch den EXPRESS erfahren, was für ein Sparhammer auf sie zukommt.
Euro Theater Central
2010: 144.000 €
2012: 0 €
Gisela Pflugradt: Das ist nach 40 Jahren das Ende des Euro Theater Central
Kleines Theater
2010:100.000 €
2012: 0 €
Bonner Sommer Kino
2010: 40.000 €
2011: 0 €
Pantheon
2010: 60.000 €
2011: 0 €
Haus der Springmaus
2010: 48.000 €
2011: 0 €
Andreas Etienne, Haus der Springmaus: Uns will man auf null setzen. Wir können es schaffen, denn wir werden von den Bonnern getragen.
Junges Theater Bonn
2010: 145.000 €
2011: 100.000 €
Moritz Seibert, Junges Theater Bonn: Wir protestieren dagegen, dass durch die Kürzungen unsere Existenz in Frage gestellt wird.
Frauenmuseum
2010: 180.000 €
2011: 60.000 €
Contra-Kreis-Theater
2010: 130.000 €
2011: 100.000 €
Horst Johanning, Contra-Kreis-Theater: Alle Kürzungen im Kulturbereich würden nicht ausreichen, die WCCB-Verluste auszugleichen.
Rheinkultur
2010: 80.000 €
2011: 60.000 €
Holger-Jan Schmidt, Rheinkultur: Es wäre bedauerlich, wenn wir nach fast 30 Jahren gezwungen wären, uns für das Festival nach einer neuen Heimat umzuschauen.
Das erste Opfer scheint schon festzustehen: Das Euro Theater Central in der Innenstadt. Dessen Chefin Gisela Pflugradt-Marteau: „Wenn das so am Dienstag im Kulturausschuss beschlossen wird, muss ich schließen. Wir zahlen allen, die bei uns arbeiten, jetzt schon sehr wenig. Dann war der 6. 12. 2009, als wir 40-jähriges Bestehen feierten, eigentlich unsere Beerdigungsfeier.“
Auch das Kleine Theater in Godesberg, so erfuhr EXPRESS, würde die Sparmaßnahmen wohl nicht überleben.
Kulturamtsleiter Hans-Jakob Heuser: „Wir haben keine andere Wahl, weil nicht mehr Geld da ist. Es tut weh und ist für viele schlimm, doch es geht nicht anders.“ Und Kulturdezernent Ludwig Krapf ergänzt: „Wir sind nicht nur für die guten Tage da. Eine Situation wie diese hat es noch nie gegeben. Aber wenn wir nicht radikal sparen, droht uns der Nothaushalt.“
Jeder Posten sei genau geprüft worden. Daran hat Moritz Seibert vom Jungen Theater Bonn seine Zweifel: „Wir müssen Kürzungen von über einem Drittel hinnehmen, während insgesamt nur 18 Prozent im Durchschnitt eingespart werden. Gleichzeitig werden die Mittel für das Beethovenfest ohne zwingende Notwendigkeit um 25 Prozent erhöht.“
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