Empfehlen | Drucken | Kontakt18.11.2010 - 21:30 Uhr

Im Nirgendwo: Das ist Bonns witzigster Bahnübergang

Von IRIS KLINGELHÖFER
Der Wärter dreht am einsamen Bahnübergang den Schlüssel um, um die Schranke wieder zu öffnen.
Der Wärter dreht am einsamen Bahnübergang den Schlüssel um, um die Schranke wieder zu öffnen.
Foto: Paul
Meckenheim –  

Der Weg über die Gleise führt scheinbar ins Nirgendwo. Weite Felder, ein einsames Haus.

Ab und zu tuckert ein Trecker vorbei. Ausgerechnet hier steht seit mehr als einem Jahr ein Schrankenwärter und sichert den kuriosesten Bahnübergang der Region - mit kleinem Aufwärmcontainer und Dixie-Klo!

Alle paar Minuten schrillt in der idyllischen Einöde das Telefon. Dann heißt es für den Wärter im Container: Achtung, eine Regionalbahn kommt. Kurz darauf stapft er vorbei an seinem Dixie-Klo zu der kleinen Halbschranke, dreht einen Schlüssel um - und die Schranke senkt sich.

Ist der Zug vorbei, wiederholt er das Ganze – rund 150 Mal am Tag! Krass: Bis vor kurzem sicherte der sogenannte Bahnübergangsposten (“Büp“) den Übergang sogar nur mit einem Flatterband. Aber das Festknoten dauerte zu lange. Deshalb gibt es jetzt die kleine Schranke.

„Ja, da steht einer und wird auch noch etwas stehen“, bestätigt Jürgen Kugelmann, Sprecher der Deutschen Bahn. „Wir hatten dort vor über einem Jahr einen technischen Defekt.“ Das Reparieren lohnte sich laut Kugelmann nicht mehr.

„Wir kriegen das elektronische Stellwerk Euskirchen, alle Bahnübergänge müssen technisch daran angepasst werden“, erklärt er. Auch der drollige Dixie-Klo-Übergang. Bis es so weit ist (das Werk geht voraussichtlich Mai 2011 in Betrieb), ist der „Büp“ die günstigste Lösung.

Seit mehr als einem Jahr erledigt der Wärter (kein Mitarbeiter der Deutschen Bahn) so den einsamen Schranken-Job in Schichtarbeit – von fünf Uhr morgens bis Mitternacht. Und das bei jedem Wetter.

„Ich habe mich schon mehrmals gewundert, weil ich den Mann sogar im tiefstem Schnee dort stehen sah“, erzählt ein Bahnkunde. „Und bei der Hitze im Sommer war er immer noch da - bis heute.“

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