Empfehlen | Drucken | Kontakt07.01.2010 - 22:04 Uhr

Angeklagter schwänzt Prozess: Brutalster Einbrecher von Bonn auf der Flitze

Von DIETMAR BICKMANN
Foto: ddp
Bonn/Troisdorf –  

Er knebelte die 65-jährige Hausbesitzerin, so dass sie fast erstickte. Beute des Einbrechers: Schmuck und Geld (45.000 Euro). Trotz des brutalen Raubüberfalls blieb Kalef H. (28) in Freiheit - wegen fehlender Fluchtgefahr. Ein schwerer Irrtum: Seit gestern ist der Räuber auf der Flitze. H., kam nicht zum Prozess.

Anderthalb Stunden wartete das Gericht auf den Angeklagten. Sein Verteidiger Dr. Frank Seebode („Zunächst müssen jetzt die Hintergründe seines Fehlens aufgeklärt werden“) erreichte Kalef H. (Name geändert) nicht auf dem Handy. Die losgeschickte Polizei nicht in seiner Wohnung. H. ist rechtzeitig zu seinem Prozess wegen bewaffneten Raubes und Freiheitsberaubung untergetaucht.

Trotz der schweren Vorwürfe war der Räuber von der Haft verschont worden. Angeblich bestand keine Fluchtgefahr. Eine Auflage erfüllte H. laut Seebode ganz brav: Jede Woche meldete er sich bei der Polizei. Das Landgericht will bis Montag den Angeklagten aufgetrieben haben. Wenn das nicht klappt, dürfte der Prozess endgültig platzen.

Bonns brutalster Einbrecher: Mit zwei maskierten Komplizen klingelte der bewaffnete 28-Jährige am 13. Dezember 2007 gegen 14.30 Uhr am Einfamilienhaus einer 65-jährigen Sieglarerin. Die Männer überwältigten die Frau, fesselten sie an einen Stuhl. Hände, Füße und Körper fixierten sie dabei mit Klebeband. Auch den Mund klebten sie zu. Fast erstickte die 65-Jährige dabei.

Ein Täter zeigte ihr einen Zigarrenschneider, drohte: „Wenn du nicht sagst, wo das Geld ist, schneiden wir dir einen Finger ab.“ Die Einbrecher fanden Beute: Bargeld (20.000 Euro) sowie Uhren, Ringe, Gold- und Halsketten (24.000 Euro). Nach 45 Minuten war die Tortur für die 65-Jährige vorbei.

Zwei der Einbrecher sucht die Polizei bis heute. Nur Kalef H. ging in die Fänge der Ermittler: An einem Schmuckkästchen, das er sofort nach dem Raub achtlos weggeworfen hatte, fanden Experten seine DNA. Drei Wochen saß Kalef H. dann im Gefängnis - bis er wegen „fehlender Fluchtgefahr“ wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

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