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Brutale Attacke von Salafisten?: Bonner Student die Zunge zerschnitten

Die Polizei ermittelt. Am Donnerstag wurden Anwohner nahe des Tatorts befragt.

Die Polizei ermittelt. Am Donnerstag wurden Anwohner nahe des Tatorts befragt.

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Thomas Banneyer

Bonn -

Bonn gilt als Islamisten-Zentrum. Sie werden beobachtet, und dennoch schlagen sie immer wieder zu: Im Mai verletzten Salafisten in Lannesdorf Polizisten. Auch die Bahnhofs-Bombe soll auf ihr Konto gehen. An Heiligabend wurde ein Student brutal attackiert. Unbekannte schnitten ihm in die Zunge. Das Opfer sagte aus, dass es Salafisten waren.

Endenich, 22 Uhr: Ein 24-jähriger indischer Student stapft über den feuchten Boden eines Bolzplatzes an der Sebastianstraße. Er will in einer Poppelsdorfer Kneipe feiern. Dort kommt er nie an. Bevor er die Autobahnbrücke unterqueren kann, hätten ihn zwei Unbekannte angesprochen, erzählt der Student aus wohlsituiertem Haus später der Polizei.

Sie hätten ihn aufgefordert, zum Islam zu konvertieren. Er ging weiter, sie holten ihn ein. Dann schlugen sie von hinten zu. Benommen ging er zu Boden. Dann folgt die unfassbare Tat: Ein Täter schnitt ihm tief in die Zunge.

Die beiden seien im Auto weggefahren. Er kroch ein Stück Richtung Wohnung. Eine Passantin fand ihn. Im Krankenhaus retteten Ärzte seine Zunge. „Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelte. Die Täter könnten aus dem islamistischen Umfeld stammen“, so Polizeisprecher Harry Kolbe. Polizei, Staatsschutz und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Wieder mal! Warum ist Bonn so machtlos gegen radikale Salafisten? Kann man sie nicht abschieben? „Die Mehrheit der Salafisten kann gar nicht ausgewiesen werden, weil sie deutsche Staatsbürger sind“, erklärt Terrorismusexperte Prof. Gerd Langguth von der Uni Bonn.

Auch eine Ausweisung von nicht deutschen Salafisten ist schwierig. Sie können zwar ausgewiesen werden, wenn sie zur Durchsetzung „politischer Ziele“ Gewalt nutzen oder bejahen. Aber: „Ein Anhänger einer extremistischen Strömung zu sein stellt noch keine Straftat dar“, stellt Jörg Rademacher, Sprecher des Innenministeriums, klar.

Erst nach einer Straftat ist eine Ausweisung möglich. „Es muss erst wirklich etwas Schlimmes passieren, bevor Behörden und Politik aufwachen“, so Langguth.