Empfehlen | Drucken | Kontakt13.07.2008 - 00:00 Uhr

Keine Zwischenfälle: Aufatmen nach dem Naziaufmarsch

Von IRIS KLINGELHÖFER
Die rund 2500 Gegendemonstranten. Unter ihnen ganz vorne v. l.: Ratsherr Bernhard von Grünberg , Ernsto Harder (Bonner SPD-Vorsitzender) und  Ulrich Kelber (Bonner SPD-Bundestagsabgeordneter).
Die rund 2500 Gegendemonstranten. Unter ihnen ganz vorne v. l.: Ratsherr Bernhard von Grünberg , Ernsto Harder (Bonner SPD-Vorsitzender) und Ulrich Kelber (Bonner SPD-Bundestagsabgeordneter).
Foto: Goyert

Bonn - „Nazis raus“ schallte es von allen Seiten. Andere skandierten „Heimat im Herzen, Scheiße im Hirn!“

Während etwa 250 Rechtsextremisten durch Duisdorf marschierten, machten ihnen fast 3000 Gegner klar: In Bonn hat rechts keine Chance!

Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann bei der Gegendemo.
Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann bei der Gegendemo.

Die Anspannung spürte man auf allen Seiten. Umso erleichterter war Polizeipräsident Wolfgang Albers über den friedlichen Verlauf: „Mit Demokratieverständnis und großer Demonstrationserfahrung haben Bonner Polizei, betroffene Bürger und das »Bündnis gegen Rechts« hohe Belastungen und eine für alle Seiten schwierige Aufgabe gelöst.“

Bei dem Einsatz mit mehr als 1000 Beamten aus ganz NRW gab es 24 vorläufige Festnahmen, 24 Ingewahrsamnahmen, 321 Platzverweise und 13 Strafanzeigen.

Von einem Polizei-Großaufgebot flankiert marschieren die Neonazis durch den Bonner Stadtteil Duisdorf.
Von einem Polizei-Großaufgebot flankiert marschieren die Neonazis durch den Bonner Stadtteil Duisdorf.
Foto: Goyert

Im Vorfeld glich Duisdorf einer Geisterstadt. Die Rochusstraße menschenleer, Rollläden runter, Geschäfte zu. Doch überall kochte der Widerstand!Rund 2500 Gegendemonstranten setzen sich vom DGB-Haus Richtung Kundgebungs-, Musikbühne (Provinzialstraße/ Hermann-Wandersleb-Ring) in Bewegung. Am Bahnhof Duisdorf und in allen Seitenstraße drängten sich Neonazi-Gegner.

Gegen 11 Uhr: erste Hektik. „Eine militante Splittergruppe hatte sich von der eigentlichen Gegendemonstration des bürgerlichen Spektrums abgesondert“, so die Polizei. Zum Teil Vermummte hätten versucht, Absperrungen zu durchbrechen. Flaschen, Farbbeutel, Steine seien geflogen. Die Polizei kesselte rund 300 Linke ein - einige bis zu 6,5 Stunden!

Darunter: Benjamin S. (23). „Ich hatte nichts gemacht, wusste von nichts. Als ich erklärte, ich sei Diabetiker, meinte ein Beamter nur, hier seien genug Rettungskräfte“, erzählt der Student. „Das war krass.“12.04 Uhr spuckte der erste Zug Neonazis aus. Ein anderer Zug kam später, weil Gegner Farbbeutel von einer Brücke gehängt, das Schotterbett für eine Ankettaktion entfernt hatten.

Ab 14 Uhr marschierten 250 Rechte zur Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Ohne große Zwischenfälle. Wie bei der Demo selbst, die sich gegen die Indizierung rechtsextremer CDs richtete. Beim Rückmarsch gegen 17 Uhr kam es aber zur kurzen Sitzblockade, weil die Polizei ihren Lautsprecherwagen durchsucht, DVDs und CDs mit indizierten Songs beschlagnahmt hatte.

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