Pflegeeltern werden nach harten Kriterien ausgesucht – und trotzdem wurde der kleinen Anna (9) ihr neues Zuhause zum Verhängnis.
Sie wurde von ihren Pflegeeltern Udo und Margit B. (beide 51, Namen geändert) mit Klebeband gefesselt, nachts zwangsgebadet – und am Ende ertränkt.
Das Ehepaar war offenbar völlig überfordert mit dem Mädchen, das unter Autoaggressionen und einer Wasserphobie litt. Fünf Tage nach dem Drama in Bad Honnef ist noch immer nicht geklärt: Wie konnte es dazu kommen?
Dabei hatte es mehrfache Hinweise besorgter Nachbarn ans Jugendamt gegeben. November 2009 gab es sogar einen Polizeieinsatz. Wieder hatten Nachbarn alarmiert, weil Anna so schrie.
Passiert ist nichts. Die Eltern gaben vor, dass Anna panische Angst vor Wasser habe und deshalb Terror mache. Dass das Paar die Neunjährige schon seit Monaten fesselte, wenn sie nicht spurte, ahnte keiner.
Wurden die Pflegeeltern kontrollierte? Warum suchte das zuständige Jugendamt Königswinter ausgerechnet sie als Pflegeeltern für Anna aus? Für ein Kind, das besondere Betreuung, Pflege gebraucht hätte.
Fragen, auf die das Jugendamt nicht antworten wollte. In einer Pressemitteilung erklärte es stattdessen: „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Erkenntnisse, die auf ein Fehlverhalten des Jugendamts schließen lassen.“
Sämtliche den Fall betreffende Unterlagen stellte das Amt der ermittelnden Bonner Staatsanwaltschaft zur Verfügung. Dort muss jetzt geklärt werden, welche Schilderung der Pflegeeltern stimmt. Udo B. hatte zunächst seiner Ehefrau die Schuld an Annas Tod gegeben. Später erklärte er, er habe das Kind in der Badewanne untergetaucht. Das Paar sitzt in U-Haft.
Am Tatort rückten am Montag erneut Ermittler an, sicherten am Balkon der Familie B. Spuren. Annas Pflegeeltern hatten die Hämatome am Körper des Kindes damit erklärt, dass sie vom Balkon im Parterre gestürzt sei.
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